Die alten Schiffe der Hurtigrute bis 1945

D/S Haakon 7


© av boka "Det nordenfjeldske DS 1857 - 1957", R. Danielsen og O. Vedeld

 

Reederei, Baujahr, Bauort
 
     Reederei NFDS. Gebaut 1907 bei Trondheim Mekaniske Verksted, für die Newcastle Route. Baunummer 125. Das Schiff ist ein Geschenk der NFDS an sich selbst, zum 50jährigen Jubiläum. Kosten 750.000 Kronen. Das Schiff wurde für den Einsatz auf der Englandroute und zu Touristenfahrten gebaut.
 
In See gesetzt, getauft und ausgeliefert am ...
 
Ausgeliefert im Mai 1907.
Zertifikat für ....
  
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Kabinen in 1., 2. und 3. Klasse
  
Kabinen für 144 Passagiere, die Kabinen der 1. Klasse sind midtskips
Transport von Fracht mittels ....
  
Kran
Länge, Breite und andere Maße
  
1907 - 250,3 fot x

19xx - 261,6 fot x 33,0 fot x 16,1 fot,

 

Tonnage und Geschwindigkeit
   
1907 - 1347 Bruttoregistertonnen, 831 nrt, triple Ekspansjon Dampfmaschine mit 1712 ihk (293 nom. hk), bei 13,5 Knoten,

 

Besonderheiten
   
Das damals teuerste Schiff seit dem Bestehen der NFDS, aber gleichzeitig auch das größte und eleganteste Passagierschiff von Norwegen. Es ist auch das erste Schiff, das die Kabinen und Salons der 1. Klasse in der Mitte hat.

 

Kapitäne
   
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Logbuch Die Werft TMV liefert das Schiff im Mai 1907 an die NFDS.

Nach der Lieferung im Einsatz auf der Linie Trondheim - Bergen - Stavanger - Newcastle. Diese Verbindung wird zusammen mit der Reederei BDS betrieben. Neben der D/S Haakon 7 sind die D/S Irma, D/S Vega und die D/S Venus im Einsatz.

1912 wird das Promenadedeck bei der Werft Ørens Mekaniske Verksted in Trondheim verlängert.

Mit Beginn des ersten Weltkrieges wird die Linie eingestellt. Erst danach verkehrt das Schiff wieder auf der Stammroute.

In den Kriegswirren des 1. Weltkrieges kommt es am 17. August 1915 zu einem Zwischenfall. Das Schiff wird von einen deutschen U-Boot angehalten. Alle Drucksachen und Pakete nach England, Frankreich und Italien sowie den Kolonien dieser Länder gehen über Bord. Alle Briefe und "Verdiposten" kommen an Bord des U-Boots. Die norwegische Regierung protestiert dagegen. 1 Woche später wird die Post, die an Bord des U-Boots genommen wurde, nach Norwegen zurück gesendet.

Am 29. November 1915 Kollision mit der D/S Zuid Holland außerhalb von Tyne. Das Schiff befindet sich auf der Fahrt zw. Bergen und Newcastle.

Am 05. April 1916 Kollision mit der D/S Henri Furst außerhalb von Tyne. Das Schiff befindet sich auf der Fahrt zw. Bergen und Newcastle.

Im Oktober 1917 wird das Schiff auf der Nordsee von einem deutschen U-Boot beschossen.

Am 31. Juli 1919 Kollision mit einem englischen (Lekter) in Newcastle.

Im Oktober 1921 wird die Linie komplett eingestellt ????

Im April 1923 erfolgt der erste Einsatz in der Hurtigrute.

Im November 1924 schleppt das Schiff die D/S Ranen nach Trondheim. Das Schiff lief zuvor auf Grund bei Leikua Fyr, außerhalb des Vallersund.

Am 10. März 1925 Kollision mit einem Dampfschiff am Kai von Molde.

Es ist der 06. Oktober 1929. Auf der Brücke stehen der Kapitän Michael Andreas Strøm, der Lotze und ein Lotzenschüler. Die Nacht und das Meer waren schwarz, ein ungemütlicher Herbstabend. Draußen tobt ein Sturm und schwerer Regen. An Bord des Schiffes sind mehr als 75 Passagiere. Die Uhr zeigt das Tagesende an. Es ist kurz vor Mitternacht. Kein Laut dringt aus dem Schiff. Alles ist ruhig, nur der schwere Schlag des Schiffes gegen die raue See und das ununterbrochene Pfeifen an der Takelage (Rigg) sowie an den hohen Aufbauten des Schornsteines sind zuhören. In kürze muss das Schiff den "weißen Sektor" des Leuchtturmes Stavenes Fyr erreichen und damit ruhigeres Fahrwasser. Die Hustadvika und das Stadhavet wurden glücklich passiert. Die Strömung ist westlich. Der Sektor kommt langsam in Sicht und der Kurs wird geändert auf "full fart akteover". Sehr schnell merken die Männer auf der Brücke den fatalen Fehler. Mit vollen Fahrt (12 Meilen pro Stunde) nimmt das Schiff Kurs auf eine Schäre (Melsholmen, südlich von Florø). Das Schwarz der Nacht hat die Konturen von Land und Meer verschwimmen lassen. Eine schnelle Kursänderung ist nicht mehr möglich.
Im nächsten Augenblick knallt der Rumpf auf die Felsen. Es bekommt Schlagseite, die stetig zunimmt. Die Rettungsarbeiten beginnen sofort. Die Passagiere strömen aus ihren Kabinen. Die Rettungsboote auf der Backbordseite füllen sich mit Menschen. Das Schiff verliert an Fahrt und gleitet nun die Felsen wieder herunter, zurück in Richtung Meer. Die vollen Rettungsboote werden dabei herum geworfen und füllen sich mit Wasser. Einige der Passagiere versuchen an Land, auf die Schäre zuschwimmen. Wenige schaffen den Versuch. Die raue See kocht um den Rumpf und die Schäre. Auf dem Weg zurück in die See knackt und seufzt das Schiff. Aus dem Schornstein steigt noch Dampf. Die Passagiere klettern auf das Vorderschiff und hoffen das die D/S Haakon 7 zur Ruhe kommt und liegen bleibt. Das Heck des Schiffes ist bereits komplett unter Wasser. Die Hoffnung wird erfüllt. Auf der Steuerbordseite, mit einer Schlagseite von fast 90°, kommt das Schiff zum liegen. Eine trügerische Sicherheit. Jeden Moment kann das Schiff weiter in das Meer rutschen. Dann hat kein Passagier ein Möglichkeit zum Überleben. Der Bootsmann Anders Andersen aus Brønnøysund ist der Retter für viele Passagiere. 55 bringt er an Land. Dafür wird er später geehrt.
Auf der Route nach Bergen passiert das Schiff D/S Namsos die Unglücksstelle nach Mitternacht. Der Kapitän hatte Freiwache. Der 2. Steuermann, der Lotze und der Rudermann sind auf ihren Posten. Sie unterhalten sich über die Lichter drüben auf dem Meer. Es gibt jedoch kein Hinweis, das sich ein Schiff in einer Notsituation befindet. Die Überlebenden der D/S Haakon 7 sehen das Schiff D/S Namsos an sich vorbeifahren.

In der Nacht verliert ein weiteres Schiff den Kampf gegen die raue See. Eine halbe Stunde nach der der D/S Haakon 7 verlässt das NFDS Schiff D/S Arnfinn Jarl den Hafen von Florø. Das Schiff läuft 500 Meter von der Unglücksstelle des Hurtigruteschiffes auch auf Grund. Keiner auf den beiden Schiffen wusste von einander. Das Schiff der spanischen Linie "San Lucar" hat Verbindung zur D/S Arnfinn Jarl, die plötzlich zusammenbricht. Die "San Lucar" sucht sofort nach dem Schiff. Wenig später findet die Besatzung Zeichen an der Küste und findet die Schiffbrüchigen der D/S Haakon 7. 56 Menschen werden von der San Lucar gerettet, 18 Menschen (9 Besatzungsmitglieder und 9 Passagiere) sind umgekommen. Im Laufe des Winters werden alle Umgekommenen entlang der Küste gefunden. Unweit der Unglücksstelle der D/S Haakon 7 verunglückte zwei Tage später ein weiteres Schiff, das schwedische Schiff "Consul Olsson".


© av boka "Nordenfjeldske 125 år - I storm og stille på alle hav" Leif Byrde Lillegaard, Trondheim 1982

Im März 1930 wird das Schiff gehoben und kommt am 16. April auf Dock der Werft BMV in Laaxevåg. Die anschließende Beurteilung des Schadens fällt zu Ungunsten des Schiffes aus. Eine Reparatur ist nicht möglich.

Im August 1930 wird das Schiff nach Stavanger geschleppt und verschrottet.

  

Bilder

Alle Bilder unterliegen dem Copyright. Das Copyright der Gastbilder verbleibt bei den Autoren.

 

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Das Schiff am Tag der Seesetzung 1906.
© av boka "Det nordenfjeldske DS 1857 - 1957", R. Danielsen og O. Vedeld

   

© by Hjalmar Hansen, ein Lotze und Marinemaler, der bei der NFDS angestellt war. © Boka „Trondhjems Mek. Verksted 1843 – 1943“ av Olaus Schmidt © Boka „Trondhjems Mek. Verksted 1843 – 1943“ av Olaus Schmidt  
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Das Schiff auf dem Werftgelände der TMV.
© by Rolf Lothe, Norge

Stand 29. Mai 2006