Tag 3   Tag 4   Tag 5   Tag 6   Tag 7   Tag 8   Tag 9   Tag 10   Tag 11

Tag 12 - 01. Januar 2002


Auf langer Fahrt nach Bergen

 

0050 Ich verziehe mich in meine Koje. Ich möchte noch etwas von der Fahrt nach Bergen erleben und nicht den halben Morgen verschlafen.

 

0230 
bis
0600
Ich werde unsanft geweckt. Donnernd vibriert das Inventar meiner Kabine. Harte Schläge durch das Brechen der Wellen und dem Fall in ein Wellental dringen ungehindert ins innere des Schiffes. Der Seegang meines Bettes beträgt mittlerweile über zwei Meter. Die Schläge erzeugen ein Gefühl, als würde der Bug im Machtkampf der Naturgewalten zerbrechen. Das Schiff befindet sich im offenen Wasser des Stadhavet, zwischen Tørvik und Måløy. Beide Orte werden heute nicht angelaufen. Die lange Liegezeit in Molde muss herausgefahren werden, damit wir pünktlich in Bergen ankommen.

 

0600  Ich verlasse den Ruhepunkt der Nacht und bereite mich auf die letzten Stunden der Fahrt vor. Nach sechs Uhr kehrt etwas Ruhe ein. Der Seegang wird geringer. Wir erreichen die Inselwelt zwischen Måløy und Florø. Das Frühstück findet heut morgen erst 07.30 Uhr seinen Anfang. Die Zeit bis dahin verbringe ich mit dem Packen meines Rucksackes.

 

0730 Das letzte Essen an Bord.

 

0830
bis
1100
Der Blick auf das Thermometer missfällt meiner winterlichen Stimmung. Sechs Grad im positiven - für mich negativen - Bereich ist das letzte was ich als Abschied erwartet hätte. Der starke Wind blockiert die Türen. Es regnet, eine Zustandsform von Feuchtigkeit, die nicht zu meinen bevorzugten Wetterlagen gehört. Das Eis auf den äußeren Wegen des Schiffes ist geschmolzen.

Die besinnliche Ruhe im Schutz der Inselwelt zwischen Måløy und Florø hält nicht lang. Schnell sind wir wieder den Naturgewalten der offenen See ausgesetzt.
Im sicheren Sessel des vorderen Panoramasalon auf Deck 7 lässt schon das Schaukeln des Schiffes gut ertragen, ein auf und ab was ständig zunimmt. Der normale Gang von Punkt A nach Punkt B gleicht einer Kurve während eines Alkoholtests, wobei der Kandidat einen nicht unwesendlichen Alkoholspiegel aufweist. Das Schlagen des Bugs ist wieder zuhören.  

 

1100 Die Passagiere müssen die Kabinen räumen. Mich beschleicht eine seltsame Stimmung. Wo sind die vielen Tage hin. Ich bin doch gerade erst an Bord gegangen! Warum muss das Schöne immer so schnell den Bach hinunter gehen?

 

1100
bis
1300
Ich bin nervös, ich möchte die Zeit strecken. Kein Ort auf dem Schiff hat mich länger als 20 Minuten. Sitzen auf Deck 7, der Gang nach draußen und der Rundgang durch das Schiff. 

Der Regen stört mich nicht mehr. Ich stelle mich bewusst den Naturgewalten, die vorn auf Deck 5 nur auf mich warten. Ich beobachte das Spiel der Wellen, in dem die MS Kong Harald den Part des Spielzeugbootes übernommen hat. Die raue See hat etwas faszinierendes für mich. Das Brechen der Wellen, die schäumend auf den vorgelagerten Inseln zerschellen, die kleinen Leuchttürme (Signallichter), die einmal erhaben auf größeren Inseln, andermal auf kleinen Felsbändern, von der Gischt eingenommen, stehen. Gegen Mittag erreichen wir die schützenden Gewässer des Hjeltefjorden.

 

1410 Anlegen und Ende dieser Hurtigrutentour.

Mein inneres Klagen des schnellen Abschiedes gleicht einem Wolfsrudel, welches in der Weite Alaskas heult.

 

1455 Fahrt mit einen von der Reederei gecharterten Busses zum Bahnhof/Busbahnhof.

Kosten der Fahrt 45 Kronen.

 

1558 Fahrt mit dem NSB Zug Signatur nach Geilo.

Der für mich neue Zug der NSB, dem Signatur, ist ein weiteres Produkt der europäischen Schneezüge. Die Form gleicht dem ICE und dem X 2000. Der innere Aufbau ist locker gestaltet.

 

1905 Ankunft in Geilo.

Nach dem trostlos wirkenden Bergen, das im Dauerregen unterging, liegt der Wintersportort vor mir. An den Berghängen ziehen sich endlose Skipisten zum Tal. Meine Unterkunft für die nächsten beiden Nächte finde ich in der Jugendherberge, die knapp 1,5 Kilometer vom Zentrum entfernt liegt.