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21 Tage zw. Bergen und Kirkenes mit dem Hurtigrutepass
(März/April 2005)

Freitag, der 11. März 2005 - Malmö – Göteborg – Oslo – Zug nach Bergen

0800 – Ankunft in Malmö
0908 – Zug nach Göteborg

In Kungsbacka, einer Stadt wenige Kilometer vor Göteborg, müssen alle Passagiere den Zug verlassen und werden gebeten in die bereit stehenden Busse einzusteigen. Ich sehe meine Anschlussverbindung davon fahren. 6 Minuten vor Abfahrt erreicht der Bus den Bahnhof von Göteborg.

1240 – Ankunft in Göteborg

Mit voller Ausrüstung und meiner nicht mehr vorhandenen Sportlichkeit renne ich durch die Hallen des Bahnhofes. Ich erreiche den Zug, nur leider fährt dieser gerade los. Selbst körperliche Gesten helfen nicht mehr. Weitere Reisende kommen zum nun leeren Bahnsteig. Warum konnte der Zug nicht warten? War nicht bekannt, das es auf der Hauptverbindung Busersatzverkehr gibt? 5 Minuten hätten gereicht und alle Reisende mit Ziel Oslo würden im Zug sitzen. Ich folge den anderen zum Bahnschalter. Mein Norwegisch wird dieser Situation nicht gerecht. Zielstrebig setzen sich einige sofort mit dem Personal am Schalter in Verbindung. 10 Minuten vergehen. Intern laufen Verhandlungen. Die Gruppe der „stehen gelassenen“ wird gezählt. Eine Bahnmitarbeiterin sammelt alle und führt uns in den Busbahnhof. Dort sind bereits Fahrscheine für den Bus der Linie Eurolines nach Oslo bestellt worden. 220 Kronen, die von der schwedischen Bahn getragen werden. Eine gute Lösung, mit der ich Leben kann.

1315 – Bus nach Oslo
1730 – Ankunft in Oslo

Mein Rucksack kommt ins Schließfach. Die Zeit bis zum Nachtzug verbringe ich im Zentrum der Stadt. Bis 2000 Uhr sind die Geschäfte offen.

2311 – Nachtzug nach Bergen

Ich habe einen guten Platz, der mir morgen bei Sonnenaufgang viel Aussicht bietet. Die Nachteile zeigen ihre Wirkung bereits nach einer Stunde. Wie ich auch sitze, eine bequeme Schlafhaltung kommt nicht zustande. Bis zum Dämmerung vergeht die Zeit. Auch das tief verwehte Finse erlebe ich in einer wachen Phase. Phantastische Schneeverhältnisse ziehen am Abteilfenster vorbei. Erst kurz vor Bergen verringert sich die Schneedecke. In Bergen selbst liegt kein Schnee mehr.

Samstag, der 12. März 2005 - Bergen

0652 – Ankunft in Bergen

Mein Rucksack kommt wieder ins Schließfach. Meine Unterkunft in Bergen hat von 1100 bis 1800 Uhr offen. Es folgt ein Besuch im Bahnhofscafe. Erste Pläne werden gefasst. Bis 1000 Uhr mache ich den ersten Stadtrundgang. Die Erkundungen beginnen mit der Suche nach meiner Unterkunft, später folgen die „touristischen“ Gegebenheiten (u. a. Fischmarkt). Mit fortlaufender Zeit wird der Rundgang spezifischer, die Stadtbibliothek ist die primäre Hauptaufgabe für den heutigen Tag.

1000 – Stadtbibliothek

Die Suche in alten Büchern über die Seefahrt und den Reederein der alten Hurtigrute beginnt. Ich bekomme alte Buchausgaben von 1930 und 1955 zur Reederei Det Stavangerske Dampskibsselskab, später auch das Buch von Stavseth Reidar „På nordnorsk Kjøl“. Ein Buch zum 75jährigen Jubiläum der Reederei VDS.

1430 – Hurtigruteterminal

Zielstrebig neugierig und dennoch vorgewarnt (Sicherheitsregeln der Hafenanlagen seit Sommer 2004) gehe ich zum neuen Hurtigruteterminal. Die M/S Nordkapp legt gerade an. Eine kleine Rettungsübung wird abgehalten. Ich beobachte das Auschecken der Passagiere. Ein Besatzungsmitglied versucht verzweifelt das Rollband im Terminal zum Laufen zubringen. Jegliche Versuche scheitern. Also, doch wieder die altbewährte Technik der Gepäckausgabe.

1530 – Bezug meiner Unterkunft

Meine Unterkunft für die nächsten 2 Nächte ist das Marken Gjestehus. Das Gästehaus im Jugendherbergsstil liegt im Zentrum von Bergen, zwischen dem Bahnhof und dem Fischmarkt. Für die gute Lage ist eine Nacht hier sehr preiswert. Ich bezahle 195 Kronen pro Nacht. Beim Anmelden bekomme ich sogar noch einen Preisnachlass. Mein Schrank im Zimmer lässt sich nicht verschließen. Damit kann ich leben.

1600 – Stadtrundgang
1900 – Im Gästehaus

Abendessen und die Planung für den nächsten Tag. Diese Zeit verbringe ich im Gemeinschaftsraum, das Fernsehgerät mit den Tagesnachrichten läuft. Eine gute Quelle für mein norwegisches Sprachverständnis. Besonderes interessiert ist das Wetter für die nächsten Tage. Ich lerne auch die Anderen kennen, die mit mir das 4 Bett Zimmer teilen. Es sind zwei Italiener. Der eine spricht sehr gut deutsch.

Sonntag, der 13. März 2005 - Bergen

0730 – Frühstück im Gästehaus
0845 – Stadtrundgang

Ich kaufe mir die Bergencard für 48 Stunden (250 Kronen). Die Zweifel (der hohe Preis) vom Vorabend bleiben. Mein Aktionsradius innerhalb der Stadt vergrößert sich aber mit der Karte gewaltig. Ich kann kostenlos mit allen Stadtbuslinien fahren und viele Museen frei besuchen, auch das Aquarium (nur in den Wintermonaten). Der Eintritt kostet allein schon 80 Kronen.

Ich entdecke viele Antiquariate zwischen der unteren Station der Fløybanen und den Bryggen. Diese muss ich Morgen in den Tagesablauf einfügen.

1100 – Seefahrtmuseum

Bekomme ich hier Antworten auf einige Fragen zur Geschichte der Hurtigrute? Auf Bildern im Internet wird ein Teil der alten D/S Finnmarken gezeigt. Was ist noch zusehen? Entsprechend neugierig gehe ich zum Museum. Die Ausstellungsstücke zur alten Hurtigrute (vorwiegend D/S Finmarken) und zur Reederei BDS finde ich in einem Nebenraum auf der oberen Etage. Hauptstück der Sammlung ist der alte 1.Klasse Rauchersalon der D/S Finmarken.

Im Erdgeschoss erregt ein TV-Gerät meine Aufmerksamkeit. Mehrfach lasse ich die Bilder auf mich wirken. Gezeigt wird ein alter Bericht zur großen Katastrophe vom 20. April 1944. An diesem Tag liegt ein niederländisches Schiff, die D/S Voorbode, am Festningskai der Stadt. Das Schiff wurde von den Deutschen als Truppentransporter rekrutiert. Im Frühjahr 1944 wird das Schiff mit Sprengstoff beladen, bestimmt für die eigenen Truppen in Hammerfest. Das Schiff hat die Auflage, in keinem Hafen unterwegs anzulegen. Ein Maschinenschaden zwingt die Besatzung zum Anlauf von Bergen. 4 Tage später, genau um 08.39 Uhr, explodiert das Schiff am Kai. Die Druckwelle zerstört alle Gebäude in der Umgebung, darunter das alte Reedereigebäude der BDS und die Håkonshallen. Die Schadensbilanz, 136 Gebäude erleiden Totalschaden, 152 Gebäude müssen nach der Begutachtung abgerissen werden, 3668 Gebäude haben größere und kleinere Schäden und über 200.000 Quadratkilometer an Glasbruch. Die Schadensbehebung dauert 2 Jahre und 11 Monate.

An der Rezeption des Museums bekomme ich endlich auch alte Postkarten zu traditionellen Hurtigruteschiffen. Darunter auch Originalpostkarten mit dem NFDS - Logo zur M/S Harald Jarl und M/S Ragnvald Jarl.

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1300 – Håkonshallen, Bryggenmuseum und Tårnet

Es beginnt zu schneien. Schnell bildet sich eine nasse Schneedecke. Mein Weg führt mich wieder in den alten Teil von Bergen, zur Håkonshallen, dem Bryggenmuseum und dem Tårnet. Alle Sehenswürdigkeiten haben nur bis 1500 Uhr offen und sind mit der Bergencard frei zugänglich.

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1525 – Bus zum Aquarium
1650 – Aquarium
1830 – Im Gästehaus

Montag, der 14. März 2005 - Bergen – Hurtigrute nach Måløy

0730 – Frühstück im Gästehaus
0830 – Stadtrundgang

Bergen präsentiert sich völlig neu. Der Schnee der Nacht verzaubert Häuser und Natur. Auf den Straßen und Gehwegen liegt eine Schneedecke von 20 Zentimetern.  Ich kann es nicht erwarten. Diese Pracht ist vergänglich. Schon jetzt überzeihen große Wasserflächen die Gehwege. Ich möchte Bilder machen, den Zauber der Situation einfangen.

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1030 – Bibliothek des Seefahrtmuseum

Am Wochenende war der separate Teil des Seefahrtmuseum geschlossen. Heute Morgen bietet sich mir die einzige Möglichkeit zum Besuch der Bibliothek. Ich erhoffe mir den Zugang zu vielen alten Büchern der Seefahrtgeschichte. Eine Hoffnung, die sich mit jeder Minute in der Bibliothek minimiert. Ich finde keine alten Ausgaben zu norwegischen Reedereien und keine Bücher zum 2. Weltkrieg und dessen Auswirkungen auf die Hurtigrute. Bücher zum Thema finde ich. Leider sind diese zu allgemein gehalten. Meine im Vorfeld erstellte Liste mit den Wunschbüchern schrumpft zusehends. In all den bekannten Büchern zur Küstenlinie, finde ich ein dünnes Heft mit den "Lebensläufen" aller Schiffe bis 1980. Der Autor ist Dag Bakka Jr, er ist neben Finn R. Hansen (leider 2004 verstorben, er hatte die größte Sammlung von Bilder zu Hurtigruteschiffen in Norwegen) einer der Kenner der Hurtigrute. Sein Standardwerk steht heute in fast jeder Buchhandlung. Sollte das dünne Heft der Ursprung seines Bestsellers von heute sein? Faszinierend blättere ich im Heft. Genau diese Angaben zu den Schiffen habe ich gesucht. Ich frage nach Kopien der Seiten. 3 Kronen kostet eine DIN A4 - Kopie, die ich heute nicht bekommen würde. Alle müssen beglaubigt werden. Die Bibliothekarin schlägt mir den Gang zur Stadtbibliothek vor, wo das Heft auch verfügbar sein soll. Dort ist das Kopieren ohne Beglaubigung möglich.

1130 – Stadtbibliothek

Ich finde das Heft tatsächlich in der Stadtbibliothek. Gestern war ich im gleichen Fach und habe die Ausgabe glatt übersehen. Für die nächsten 15 Minuten blockiere ich den Kopierer im Erdgeschoss des Hauses.

1400 – Staatsarchiv

Vor dem Urlaub habe ich im Web den Link zum Onlineauftritt des Staatsarchiv gefunden. Auf der Seite sind viele alte Dokumente zur Reederei VDS ersichtlich. Auch in Bergen gibt es ein Staatsarchiv, die Adresse steht in meinen Reiseunterlagen. Mit der fahrbaren Freiheit der Bergencard nutze ich die Gelegenheit zum Besuch der Behörde. Vielleicht komme ich so zu weiteren Dokumenten zu den Reedereien. Leider führen all meine Stichworte, die ich der Mitarbeiterin gebe, zu keinen Erfolg. Sie sagt mir, ich soll mich in Oslo an die Hauptstelle des Staatsarchivs wenden.

Ich nutze den nächsten Bus zur Rückfahrt und steige bereits 3 Stationen vor dem Zentrum aus. Auf der Hinfahrt ist mir ein weiteres Antiquariat der Stadt aufgefallen. Die Auslage mit Büchern verspricht Erfolg. Der Laden ist klein. Ein ältere Mann empfängt mich. Ich frage nach dem Fach mit den Ausgaben zur Seefahrt und finde genau das kleine Heft, das ich bereits in den beiden Bibliotheken gefunden habe. Für 90 Kronen kaufe ich es.

1530 – Fløybanen
1630 – Kaffee- und Planungspause
1830 – Stadtbibliothek

Der letzte Gang in die Stadtbibliothek. Während der Kaffeepause ist mir der Verkauf der BDS - Schiffe, an die damalige Lokalreederei TFDS ins Gedächtnis gekommen. Hat die Stadtbibliothek nicht Mikrofilme alter Zeitungsausgaben der Bergens Tidende aus dem Jahr 1979? Zielstrebig frage ich den Leiter der Lokalabteilung für Bergen und gebe ihm das gesuchte Datum. Er versteht mich und holt den entsprechenden Film. Schnell sind die Seiten gefunden. Für 2 Kronen pro Seite erhalte ich die gesuchten Beiträge der Zeitung (siehe "Historie 1945 - 1988"). Die letzten 30 Minuten bis zur Schließung der Stadtbibliothek nutze ich zum Surfen im Internet und dem Abrufen meines Mailfaches. Die Nervosität auf das Kommende steigt langsam.

2000 – Hurtigruteterminal

Nervös vor Vorfreunde betrete ich die Halle des neuen Hurtigruteterminals. Ich gebe meinen am Nachmittag gekauften Hurtigrutepass und meinen Personalausweis ab. Mit dem Stempel des ersten Schiffes und den Eintragungen zur Gültigkeit hat der neue (alte) Pass nun 21 Tage Gültigkeit. 21 Tage freie Fahrt mit meiner Schiffslinie finden ihren Anfang. Zwei Treppen führen in die obere Etage. Der Warte- und Aufenthaltsraum der Passagiere. Gastronomische- und Selbstversorgereinrichtungen warten auf ihren ersten Einsatz. Alles ist neu. Der Gang über die Passagierrampe und ich verlasse den festen Boden von Bergen. Hier werden noch einmal die Fahrkarten überprüft. Das Terminal wird noch im Frühjahr dieses Jahres von der Reederei ColorLine genutzt.

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Für die Passage nach Måløy nehme ich keine Kabine. Meine erste Station an Bord ist die Cafeteria. Einen Happen zum Abend nehme ich hier ein. Die Auswahl preiswerter Gerichte ist nicht besonders groß. Ich wähle eine Pizza, die auch nicht gerade günstig ist. In der Wartezeit steht die Reparatur meines kleinen Reiserucksackes an. Der Tragegurt muss neu genäht werden.

2230 – Hurtigrute nach Måløy

Dienstag, der 15. März 2005 - Måløy – Ervik (Stadlandet) - Måløy

0645 – Anlegen in Måløy

Ich warte nicht auf das Ablegen der M/S Finnmarken. Mit mir verlassen 2 weitere Passagiere das Schiff. Ich habe nicht viel Zeit. 0845 Uhr fährt mein Bus in Richtung Stadlandet. Zuvor muss ich noch meine Unterkunft suchen und meine Sachen für den Tag zusammenstellen. Schneller als erwartet finde ich die Pension. Das Schild erkenne ich bereits von der Einfahrt zum Hafen. 5 Minuten später stehe ich vor der Tür. Ich klingle und werde bereits erwartet. Das Zimmer macht einen sehr luxuriösen Eindruck. Ein Doppelbett bildet den Mittelpunkt. Ich möchte gleich bezahlen und werde vom Preis erschlagen. 450 Kronen für die Übernachtung. Am Telefon wurde mir ein Preis von 400 Kronen genannt. Ich kann nicht viel machen. Es ist die einzigste Unterkunft, die laut Internet verfügbar war und offen ist. Im Anschluss nehme ich gleich noch das Frühstück mit. Das schnelle Finden der Pension eröffnet Zeitreserven. Ich beobachte die Ausfahrt der M/S Finnmarken. Das große Fenster des Frühstücksraumes ermöglicht Einblicke in den Ulvesund, der Meerenge zwischen der Insel Vågsøy, auf der Måløy liegt und dem Festland.

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0845 – Bus nach Selje
0940 – Ankunft in Selje

Am zentralen Haltepunkt von Ervik wartet bereits mein Anschlussbus. Ich bin der einzige Gast. Selje selbst ist nicht sehr groß und hat einen dörflichen Charakter.

0945 – Bus nach Leikanger

Ich bin überrascht von der Fahrroute der Busverbindung. Diese verläuft nicht direkt nach Leikanger, eine Passstraße verbindet die beiden Orte. Der Bus wählt den östlichen Weg über Årsheim. Straßenarbeiten verzögern die Ankunft einwenig.

1035 – Ankunft in Leikanger

In Leikanger endet das öffentliche Verkehrsnetz. Nur noch Schulbusse verkehren im westlichen Teil der Halbinsel. Bis nach Ervik sind es noch 15 Kilometer. Diese Distanz möchte ich per Anhalter überbrücken. Ich hoffe, das ich ein Fahrzeug finde. Meine Erfahrungen sind nicht sehr gut. Auf der Hauptstrecke der Lofotinsel Austvågøy hatte ich im Sommer 2002 keinen Erfolg damit. Ich denke, der große Rucksack schreckte damals viele Autofahrer ab. Heute bin ich mit leichten Gepäck unterwegs und dazu in einer Region, die abseits der großen Touristenwege liegt. Es ist auch Nebensaison. Ich rechne mit sehr guten Möglichkeiten. Gleich nach dem Ortsschild steigt das Gelände an. Der Blick nach Nordosten wird frei. Mehrere Fahrzeuge fahren in meine Richtung und reagieren nicht auf mein Handzeichen. Einige Meter weiter sehe ich einen kleinen weißen Transporter. Der Fahrer hält neben mir. Er meint, das mein Zielort nicht auf seiner Strecke liegt, aber er könne mich an der Kreuzung absetzen. Die Fahrt ist unterhaltsam und fordern meine Sprachkenntnisse. Nach Tagen der Gewöhnung finde ich langsam in die norwegische Sprache zurück. 15 Minuten später erreichen wir die genannte Kreuzung. Der Transporter fährt weiter in Richtung Westkapp. Ich habe noch 3 Kilometer bis Ervik, die ich ohne Handsignal laufe. Von Anbeginn fasziniert der Taleinschnitt. Ich bin gefangen von der Küstenlandschaft. Ich sehe aber auch eine Veränderung des Wetters. Am Horizont liegt ein kompaktes Wolkenpaket. Hinter mir der fast wolkenlose Himmel.

1130 – Ervik

Mit jedem Schritt steigt meine Nervosität. Trotz aller Ermahnungen an mich selbst, habe ich mich nicht auf den Tag vorbereitet. Mit der Postkarte in der Hand versuche ich das Haus von Jonfred Ervik ausfindig machen zukönnen. Ich gehe die Straße entlang und vergleiche die Namensschilder an den Briefkästen. Der Abgleich bringt nicht wirklich viel. Jeder zweite Einwohner des Ortes hat den gleichen Nachnamen. Ich frage eine Frau, die sich gerade mit einer anderen vor ihrem Haus unterhält. Ich bin überrascht von ihrer Antwort. Sie weiß von meiner Ankunft und zeigt mir das Haus, an dem ich gerade vorbei gegangen bin. Ein alter Mann steht davor. Ich frage nach Jonfred Ervik und habe ihn sogleich gefunden. Er wartet bereits auf mich. Stolz zeigt er mir seinen alten Skoda.

Im Vorfeld hatte ich keine Informationen, auf wem ich hier treffe. Die Tragödie liegt schon 62 Jahre zurück. Es kann ein Mann sein, der damals Augenzeuge war bzw. ein Historiker, der sich mit der Sache beschäftigt. Ich treffe auf einen Augenzeugen und Rettungshelfer von damals. Das Abenteuer der Geschichte des Unterganges der D/S Sanct Svithun im September 1943 kann beginnen. Das Abenteuer des Verstehens der flüssigen norwegischen Sprache auch. Ich habe anfangs meine Schwierigkeiten mit seiner Aussprache. Mir selbst fallen nicht sofort alle Wörter ein. Er lächelt beim Anblick meines kleinen Wörterbuches.

Die Kapelle Sanct Svithun ist in Sichtweite, keine 5 Minuten Gehzeit entfernt. Wir fahren mit seinem Auto, zuerst zum Haus der Frau, die ich zuvor gefragt hatte. Sie hat den Schlüssel zur Kapelle. Meine erste Nervosität hat sich gelegt, nun steigt diese wieder an. Kann ich seinen Ausführungen immer folgen? Er öffnet die Kirche und wir kommen in einen Vorraum. 2 Türen weisen den weiteren Weg. Er öffnet die linke Tür.  Diese führt in eine Art Korridor. Auf der rechten Seite erkenne ich Ausrüstungsgegenstände des Schiffes, an der Wand hängen alte Bilder und eine Gedenktafel. Er beginnt zu erzählen und gibt Hintergrundinformationen. Vom Korridor führen zwei weitere Türen in eine Küche und in einen Aufenthaltsraum. Wir gehen in die Küche. Er legt sein mitgebrachtes Material auf den Tisch. Anbei ein Buch, einige Zeitungsausschnitte und mehrere Bilder. Ich erkenne die Bilder. Alle habe ich im Internet bereits gesehen und herunter geladen. Leider gibt es keinen Link zum Autor, nur der Name ist angegeben. Auch die sehr kleine Größe der Bilder erlaubt keine Bearbeitung. Habe ich heute die Möglichkeit von diesen wertvollen Bildern Kopien machen zukönnen? Er erzählt von damals. Anhand der Bilder und dem Buch beschreibt er die damalige Situation und die Entstehung dieser kleinen Kirche. Er selbst hat im Buch seinen Platz gefunden. Ein kleiner Absatz berichtet von den Helfern aus Ervik. Jonfred war damals 6 Jahre alt und der Jüngste aller Helfer.

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Den Abschluss des Rundganges bildet die Kapelle der Kirche. Der große Raum ist schlicht eingerichtet, sehr typisch für Kirchen der kleinen Gemeinden von Norwegen. Eine Kanzel und Sitzmöglichkeiten auf der linken und rechten Seite der Kapelle. Im Bedarfsfall kann der Raum erweitert werden.  

Wir fahren in Richtung der vorgelagerten Holme. Ein unbefestigter Weg mit vielen Schlaglöchern führt zum Hafen des Ortes. Er erzählt von den sowjetischen Kriegsgefangenen, die zum Errichten der Bunker und Befestigungsanlagen hier eingesetzt waren. Während der Fahrt zeigt er die Grundrisse der Baracken, wo die Gefangenen untergebracht waren. Die meisten Ausführungen macht er im Auto. Die nasskalte Seeluft ist nichts für ihm. Er lädt mich zu Kaffee und Kuchen in sein Haus ein. So lerne ich auch seine Frau kennen. Ihr Arm hat eine Gipsbandage. An seine Aussprache habe ich mich fast gewöhnt. Ihre Worte verstehe ich einfach nicht bzw. ganz schwer. Das gleiche Problem hat sie mit meiner Aussprache. Jonfred vermittelt zwischen uns beiden. So unterhalten wir uns fast eine Stunde. Es hat draußen zu schneien angefangen. Faszinierend blicke ich in den Gesprächspausen durch das Fenster. Ich liebe diesen Zustand von Wasser, dazu noch in dieser schönen Region.

1345 – nach Leikanger

Jonfred bringt mich nach Leikanger. Was auffällt, er selbst benutzt diesen Namen nicht. Stattdessen spricht er von Stadlandet. Der alte Name des Hauptortes der Halbinsel? Während der Fahrt fällt das Thema auf die Arbeitssituation der Region und die Jugend, die zunehmend in andere Gebiete auswandern.

1445 – Bus nach Selje

Der Bus ist pünktlich da. Ich bin aber über die Verbindung überrascht. Entgegen meiner Recherche verkehrt der Bus nicht bis Måløy. Er ist Zubringer für das Schnellboot auf der Linie Ålesund nach Bergen und Schulbus. Das Schnellboot hält in Selje.

1530 – Hurtigbåt nach Måløy

Vor dem Anleger in Selje ist Endstation. Die meisten Passagiere steigen in das Schiff. Für mich ist die Fahrt mit dem Katamaran, der so typisch für den Transport entlang der gesamten Küste ist, eine Premiere. Der Innenraum ist geräumig und auf den schnellen Transport von Passagieren spezialisiert. Während der Fahrt öffnen sich mir andere Einsichten der Landschaft, die mein heute gewonnenes Bild der Region komplettieren.

1615 – Ankunft in Måløy

Gleich nach Ankunft nutzte ich die noch hellen Tagesstunden zum Erkunden von Måløy. Die Hauptstraße zieht sich lang durch den Küstenort. Der Westteil wird von der Brücke über den Ulvesund dominiert. Nördlich davon steht die Kirche.

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1900 – In Pension

Mittwoch, der 16. März 2005 - Måløy – Nordfjordeid – Ålesund

0645 – am Hafen

Ich stehe am Kai und warte auf das nordgehende Schiff. Die Fotoausrüstung ist auch schon aufgebaut. Mit zunehmender Wartezeit kommt in mir ein sonderbares Gefühl auf. Die Ruhe am Kai verstärkt das ganze noch. Kein Mitarbeiter von Norcargo zeigt sich. Vorerst ignoriere ich weitere Vermutungen.

0720 – Keine Hurtigrute heute?

Die Zeit vergeht und noch immer keine Hurtigrute sowie Mitarbeiter von Norcargo. Gedanken jagen durch den Kopf. Warum habe ich gestern, auf der nordgehenden Fahrt mit der M/S Finnmarken, kein südgehendes Schiff gesehen? Der Treff der beiden Schiffe ist südlich von Måløy. Genau dieses Schiff müsste heute morgen hier ankommen. Ich gehe zum Eingang von Norcargo und erkenne erst jetzt den Zettel an der Tür. Hier steht eindeutig geschrieben, das heute keine Hurtigrute fährt. Es steht auch da, das gestern kein südgehendes Schiff gefahren ist. Ein großer Stein liegt auf meiner Planung für den Tag. Ich wollte während der Fahrt mit der M/S Midnatsol, die Holme vor Ervik sehen. Die Geschichtsstunde Teil 2 fällt aus. Ein wichtiger Teil, auf den ich mich bereits in Deutschland schon gefreut habe. Ich bin auf der Suche nach Alternativen. Eine weitere Übernachtung kann ich mir nicht leisten. Was bleibt, ist eine Fährverbindung bzw. der Bus nach Ålesund. Ich gehe zum Busplatz, der unmittelbar vor dem Hafen liegt und erkunde die Fahrpläne. Leider ist der Direktbus nach Ålesund bereits weg. Der nächste fährt erst gegen Mittag. Ich erweitere den Radius und versuche über indirekte Verbindungen zum nächsten Ziel zu kommen. Nordeidfjord bietet mir die besten Alternativen. Der Bus kommt in wenigen Minuten. Ich habe somit keine längere Wartezeit im Ort, die in voller Ausrüstung auch nicht besonders erlebnisvoll ist.

0815 – Bus nach Nordeidfjord

Das erste Teilstück der Alternativroute führt direkt nach Nordeidfjord. Ich fahre mit dem Krankenhausbus, der fast täglich verkehrt. Auch andere Reisende können mitfahren. 2 Mitarbeiter des Busunternehmens sind im Fahrzeug. Der Fahrer und ein fachkundiger Angestellter für die Voraufnahme der Krankheitsfälle. So kann jeder einzelne Fall effektiv im Krankenhaus übernommen werden.

Während der Fahrt ist die Regionalkarte der Fylke mein ständiger Begleiter.

0930 – Ankunft in Nordeidfjord

Der erste Halt im Ort ist das Krankenhaus, erst dann fährt der Bus zum zentralen Punkt in Nordeidfjord. Dieser besteht aus einem Einkaufszentrum, einer Tankstelle und vielen Einzelgeschäften. Ich habe 1 Stunde im Ort. Sofort nach dem Ausstieg begebe ich mich auf die Suche nach einer Cafeteria. Leider öffnet die einzige erst 1000 Uhr. Ich komme jedoch etwas früher hinein und kann hier mein Frühstück nachholen und anfangen meine Tagebuchaufzeichnungen zu aktualisieren.

1030 – Weiterfahrt nach Ålesund

Die Winterlandschaft entlang der Strecke über Volda und Ørsta ist beeindruckend und erweitert meinen Erlebnishorizont in Westnorwegen. Diese Region habe ich in den letzten Jahren stark vernachlässigt, meist war ich in den Regionen von Skandinavien, die über dem Polarkreis liegen. Mein letzten Landurlaub in Westnorwegen war 1994. Auch auf der Fahrt ist die regionale Karte mein ständiger Begleiter. Ich vergleiche die Straßen, Berge und alles was mir unterwegs auffällt. Bereits während der Busfahrt habe ich weitere Alternativen erarbeitet. Ich muss die verlorene Fahrt von Måløy nordgehend nachholen. Ein Gedanke ist sehr dominant und geldsparend zugleich, der Hurtigrutepass spielt dabei die Hauptrolle. Im Einzelnen bedeutet das, ich werde heute Abend nicht in Ålesund bleiben. Ich werde stattdessen nach Mitternacht, mit der südgehenden Hurtigrute zurück nach Måløy fahren. Dort habe ich über eine Stunde Zeit, bis das nordgehende Schiff der Küstenlinie mich zurück nach Ålesund bringt.

1400 – Ankunft in Ålesund

Es beginnt eine zeitraubende Suche nach einem sicheren Platz für meinen Rucksack. Bei Norcargo am Kai der Stadt werde ich fündig.

1500 – Bibliothek

Das Wetter über Ålesund ist schön. Sonnig, mit wenig Bewölkung. Perfekt zum Erkunden der Stadt. Dennoch gehe ich in die Bibliothek und bin auf die Bücher gespannt, die ich hier zur Seefahrt allgemein und zur Hurtigrute sowie deren Reedereien bekomme. Das Regal zeigt die Standardbücher aller Bibliotheken. Diese kenne ich schon. Die Bücherdatenbank im Computer zeigt aber mehr Ergebnisse, darunter sehr seltene und alte Ausgaben. Es gibt auch ein Buch zur Geschichte der BDS. Herausgegeben 1926, zum 75. Jubiläum der Reederei. Diese erfrage ich bei den Mitarbeitern der Bibliothek. In der Zeit dazwischen Suche ich weiter die Regale ab. Minuten später tauche ich in die Geschichte ab. Einige Absätze des Buches kommen mir sehr bekannt vor. Ist das Buch etwa die Grundlage zur großen Geschichtsausgabe der Reederei, die 1951 herauskam? Beim Verlassen der städtischen Einrichtung gebe ich der Bibliothekarin bescheid, das ich Morgen wieder komme. 

1800 – Erkundungen in der Stadt

Ich bin auf dem Weg zum Campingplatz. Ich möchte den Weg für die morgige Übernachtung erkunden. Sehr schnell merke ich die Dimensionen der großen Stadt. Spät finde ich den Platz, der gut 3 Kilometer außerhalb vom Zentrum liegt. Die Rezeption ist nicht besetzt. Zweifel überlagern meine Planung. Mit voller Ausrüstung den weiten Weg gehen. Bereits auf der Rücktour zum Zentrum suche ich nach Alternativen. Gästehäuser und private Unterkünfte im engeren Radius zur Stadtmitte. Bei einer Fastfoodkette mache ich Pause. Es schneit. Der Schnee ist sehr nass. Bei Ankunft heute Nachmittag hatte ich den Stadtführer bei der Touristinformation geholt. Beim Schmökern finde ich einige bezahlbare Gästehäuser. Ich finde aber auch Angaben zur geschlossenen Jugendherberge. Gleich danach begebe ich mich dorthin, die sich in unmittelbarer Nähe befindet. Die Tür ist offen. Aus einem der Zimmer höre Stimmen. Ich gehe hinein und gerate in eine Chorprobe. Ich bin mehr überrascht, als die Anwesenden im Zimmer selbst. Ich stelle meine Frage. Einer der Anwesenden nimmt sich meiner Sache an und wir verlassen das Zimmer. Zuvor werde ich eingeladen, an der Chorprobe mitzuwirken. Im Hausflur erfahre ich, das die Jugendherberge im Winter nicht geschlossen hat. Die Zimmer laufen nur unter einem anderen Namen. In diesem Fall als Pension. Er zeigt mir die Telefonnummer, an die ich mich wenden kann. Gleich danach rufe ich bei dem Betreiber der Jugendherberge an, der meine Anfrage für morgen sofort bestätigt.

2130 - Pub

Der weitere Aufenthalt im Freien lohnt bei der Nässe nicht. Ich suche ein Pub, das mir einen gemütlichen Aufenthalt bis zur Abfahrt der südgehenden Hurtigrute und Möglichkeiten bietet, meine Schreibarbeiten nebenher erledigen zukönnen. Ich werde schnell fündig. Im TV läuft ein Fußballspiel der englischen Liga.

2300 – zum Hafen

Ich gehe langsam zum Kai zurück und hole meinen Rucksack bei Norcargo ab. Die restliche Zeit bis zur Ankunft der M/S Narvik verbringe ich im Warteraum am Kai.

2345 – Ankunft der Hurtigrute

Fast geräuschlos nähert sich das Schiff dem Kai. Der Schneefall sorgt für eine eigenartige Stimmung. Die Lichtpunkte im Dunkel der Nacht wandeln sich langsam zu einem Schiff der mittleren Generation. Meine Gemütslage liegt im optimalen Bereich. Es ist nicht die erste Nacht, die ich ohne Kabine an Bord einer Hurtigrute verbringe und ohne Schlaf durchzeche. Der neue Hurtigrutepass zeigt seine positive Seite schon in den ersten Tagen. Viele Alternativen der Routenplanung eröffnen sich, die ich während der Vorbereitungszeit nicht in Betracht gezogen habe.

Donnerstag, der 17. März 2005 - Ålesund – Måløy - Ålesund

0045 – Ablegen nach Tørvik  

Ich schreibe Tagebuch und ordne meine neuen Fakten zur Hurtigrute, die ich in den Bibliotheken gefunden habe. Die Cafeteria an Bord der M/S Narvik ist dafür sehr gut geeignet. Ein großer Schreibtisch, bei einer sehr guten Sitzhaltung. Das Personal der Cafeteria nutzt die ruhige Nachtstunde zum Saubermachen. Die diensthabende Besatzung kommt gelegentlich vorbei. Ein Besatzungsmitglied zockt an den Spielautomaten.

0200 – Ablegen nach Måløy

Im letzten Teil der Passage von Tørvik nach Måløy stehe ich auf Außendeck 5. Mein Blick schweift in die Dunkelheit der Nacht. Nur die Konturen der rauhen Gebirgskante des Stadlandet sind sichtbar, Einzelheiten nicht. Das Meer ist sehr ruhig, kaum Wellengang für die sonst so raue und stürmische Gegend. Mit der Einfahrt in den Ulvesund bricht die Dämmerung an.

0515 – Anlegen in Måløy

Es regnet wieder. 1 Stunde und 30 Minuten muss ich mir die Zeit vertreiben. Die 30 Minuten bis zum Auslaufen der M/S Narvik verbringe ich im Bushäuschen. Mit dem Auslaufen mache ich einen letzten Morgenspaziergang in Richtung Brücke. Rechtzeitig zur geplanten Ankunft des nordgehenden Schiffes bin ich am Kai und baue die Fotoausrüstung auf. Etwas verspätet biegt die M/S Polarlys in den Ulvesund ein.

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0740 – Ablegen nach Tørvik

Eine spannende Etappe und eine Überschneidung von 3 Tätigkeiten. Ich möchte das Frühstücksbuffet, ich will die Aufnahmen von den Holmen vor Ervik und es kann möglich sein, das ich zu einer Führung im Maschinenraum gerufen werde. Meine Anfrage an die Rezeption wurde nicht gleich verneint, man möchte erst den Maschinenchef fragen. Die ersten beiden Sachen lassen sich gut verbinden. Ich nutze meinen alten Trick. Ich lasse die Jacke am Tisch des Speisesalons hängen und schreibe einen Zettel, das ich kurz zum Fotografieren der Landschaft auf Außendeck 5 bin.

45 Minuten nach Abfahrt wird die Küstenlandschaft interessant. Die markante Felskante der Halbinsel Stadlandet kommt in greifbare Nähe. Leider ist die Sicht nicht so gut. Tiefhängende Wolken verschleiern eine freie und kontraststarke Sicht, die ich für meine Wunschbilder bevorzugen würde. Der scharfe Wind treibt die angezeigten 3 Grad am Thermometer des Schiffes in den Keller. Auch das freihändige Fotografieren wird zur Geduldsprobe. Ich nutze das Geländer für meine Aufnahmen.

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Die weitere Fahrt und Zeit vergeht wie im Flug. Ich kenne das Küstengefüge noch nicht. Bisher befuhr ich diese Passage nur im Dezember und Januar, südgehend zweimal und nordgehend einmal. Zum Jahreswechsel erreicht der Tag erst bei Tørvik genug Helligkeit. Südgehend liegt die Passage immer im Dunkel der Nachtstunden. Auch sind meine Erinnerungen an die nordgehende Etappe sehr verblast, ganze 12 Jahre liegen dazwischen. Damals war ich mit der M/S Harald Jarl unterwegs. Entsprechend neugierig bin ich auf Tørvik.

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1045 – Anlegen in Tørvik

Ich bin überrascht über den Ort, wobei der Name Ort kaum gerechtfertigt ist. Tørvik ist eigentlich nur eine Ansammlung von Häusern. Selbst die kleinen Orte an der Finnmarkküste sind größer und auch Forsnavåg, der Hauptort der Kommune, machte einen kompakteren Eindruck auf mich. Meine ursprüngliche Planung basierte darauf, das ich hier aussteige und weiter zur Jugendherberge nach Runde fahren wollte. Leider hat sich kein Verantwortlicher der Jugendherberge auf meine Anfragen per Internet gemeldet. Eine Reise im Winter ohne Bestätigung ist für mich zu unsicher.

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Der Blick in die nordöstliche Richtung zeigt Ulsteinvik. Der Ort hat große Bedeutung für die Hurtigrute. 3 Schiffe der aktuellen Flotte (M/S Nordkapp, M/S Polarlys und M/S Finnmarken) wurden auf der Werft gebaut, die hier ansässig ist.

1200 – Anlegen in Alesund

Das Wetter der letzten Nacht zeigt sich auf den Straßen. Große Wasserflächen und nasser Schnee sind eine harte Probe für die Schuhe. Mein erster Weg führt mich zur Bibliothek, denn ich komme erst gegen 1600 Uhr an den Schlüssel für meine heutige Unterkunft, der Jugendherberge. Meine Bücher von gestern liegen noch an der Rezeption und die Bibliothekarin erkennt mich sofort wieder. Viel Nutzen hat das Schmökern in den alten Büchern leider nicht. Die Nachwirkungen der letzten Nacht zeigen sich deutlich. Ich kann mich nicht auf den Text und das Übersetzen der Passagen konzentrieren. Meine Augen fallen immer wieder zu. Ich hinterlege die wertvollen Bücher wieder an der Rezeption, mit der Anmerkung das ich wieder komme. Zur Halbzeit (gg. 1430 Uhr) gehe ich noch einmal zum Kai und möchte das Ablegen der M/S Polarlys dokumentieren. Die Abfahrt verzögert sich heute jedoch erheblich. Es ist bereits 1545 Uhr und das Schiff macht noch keine Andeutungen für eine Weiterfahrt. Ich bin unentschlossen, soll ich warten oder lasse ich das ganze und gehe zur Jugendherberge. Im Anbetracht der Tatsache, das ich das Schiff in den nächsten 3 Wochen im Norden sicher noch oft sehen werde, wende ich mich vom Hafen ab und schlendere zu meiner Unterkunft. Ein Zettel empfängt mich dort. Der Leiter kommt erst 1630 Uhr.

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