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21 Tage zw. Bergen und Kirkenes mit dem Hurtigrutepass
(März/April 2005)

Donnerstag, der 31. März 2005 - Tromsø - Finnsnes - Harstad - Risøyhamn - Sortland - Stokmarknes (an Bord der M/S Nordkapp)

0520 – Ende der Nachtruhe
0600 – Bibliothek

Ich schmökere weiter im Buch über der Verkehrsentwicklung der Fylke Nordland, heute Morgen das Kapitel über die Risøyrenna.

0700 – Frühstück
0800 – Anlegen in Harstad

Am Kai liegt die M/S Polarlys.

0830 – Ablegen nach Risøyhamn

Ich bin wieder auf Deck 7 und nutze die restliche Zeit an Bord zur abschließenden Suche im Buch. Während der Fahrt zeiht sich der Himmel auf. Die Sonne bringt wieder mehr Licht in das Grau der letzten Tage. Über Risøyhamn zieht die Wolkendecke komplett auf, aber eine Wetteränderung wartet schon im Westen.

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1045 – Anlegen in Risøyhamn

Der erste Blick zum Kai genügt für eine interne Berechnung der Liegezeit. Es stehen wieder unzählige Paletten mit Torf am Kai. 5 Minuten nach der ersten Durchsage kommt über die Sprechanlage der M/S Nordkapp, die Korrektor der Liegezeit, die sich nun bis 1130 Uhr verlängert. Genügend Zeit für einen kleinen Landgang. Für die Passagiere und Rundreisetouristen steht nur ein kleiner schmaler Gang zur Verfügung. Der sich durch das Gewirr aus Torf zum Ausgang des Kaigeländes schlängelt.

1130 – Ablegen nach Sortland

Die Wetterlage verschlechtert sich. Beim Ablegen regnet es wieder. Die Sicht ist gleich Null. Bis nach Sortland wird der Regen langsam schwächer, die Sicht besser. Genau zur richtigen Zeit. Ich bin neugierig auf den Bus mit den Landausflüglern. Wird heute der Treff gehalten? Das Schiff hat Verspätung. Keine 1000 Meter vor der Brücke sehe ich den Bus und die letzten Passagiere auf einen Parkplatz östlich der Brücke. Einige steigen gerade noch zu. Das wird knapp bis unmöglich. Irgendjemand hat drüben geschlafen bzw. es konnten nicht alle rechtzeitig zusteigen. Das Schiff ist wenige Meter vor der Unterquerung, der Bus aber erst am Anfang der Brücke. Das Schiffssignal ertönt. 200 Meter nach der Brücke hat der Bus nun endlich deren höchsten Punkt erreicht.

1245 – Anlegen in Sortland

Für viele Rundreisetouristen bietet Sortland die einzige Möglichkeit, das Anlegen des eigenen Schiffes beobachten zukönnen. Einige bemerken dabei nicht, das sie den Anlegevorgang behindern.

1315 – Ablegen nach Stokmarknes

Ich bin nervös. Mein Aufenthalt im Geburtsort der Hurtigrute ist ein einziges Fragezeichen. Werde ich eine bezahlbare Unterkunft bekommen? Im Panoramasalon verabschiede ich mich von den beiden Deutschen Rundreisetouristen, die ich gleich am ersten im Panoramasalon kennen gelernt habe.

1430 – Anlegen in Stokmarknes

Das Abenteuer beginnt. Mein erster Gang führt mich zum Hurtigrutehus. Eine kleine Frage nach der Preisen kann nicht Schaden. 550 Kronen kostet die Nacht im billigsten Zimmer, so die Antwort der Rezeptionsmitarbeiterin. Für meine angespannte Finanzlage einfach zu teuer. Ich gehe ins Zentrum und suche nach einem Telefon. Eine schwierige Sache, denn auch in Norwegen reduziert sich die Dichte der öffentlichen Telefone beträchtlich. Bereits auf dem Schiff habe ich mir einige Unterkünfte aus dem Telefonbuch heraus geschrieben. Ich bin nun schon fast aus dem Zentrum heraus, ein Telefon habe ich noch immer nicht gefunden. Auf der rechten Seite der Hauptstraße macht mich ein großes Schild an einer Hauswand neugierig. „Overnatting“ steht rauf. Hoffnung keimt, doch bereits der erste Eindruck stimmt mich nachdenklich. Am Eingang kein Schnee geräumt. Auf der Terrasse liegt überall Holz und Müll herum. Es gibt zwei Haustüren. Das Licht über der Terrasse ist an. Auf den Klingelschild steht dreimal der Name Nilsen und einmal ein anderer Name. Ich habe somit 1 der 2 Übernachtungsmöglichkeiten gefunden. Ich betätige eine Klingel nach der anderen, wo der Name Nilsen darauf steht, nichts passiert. Auf Klopfzeichen reagiert auch niemand. Auch der Gang um das Haus zeigt auch keine weiteren Eingänge. Ich breche die Suche nach den Unterkünften und dem Telefon vorerst ab. Die Liegezeit der M/S Nordkapp neigt sich dem Ende. Ich gehe zurück zum Kai. Die Bilder vom Ablegen sind wichtig.

Anschließend gehe wieder zum Hurtigrutehus und frage im Museum nach Elisabeth. Diesen Namen hat mir der Kapitän der M/S Finnmarken, Sten Magne Engen, genannt. Die Mitarbeiterin am Einlass sagt, die Leiterin des Museums ist bereits auf dem Weg nach Hause. Schade, somit muss ich den geplanten morgigen Tag in Stokmarknes einhalten, auch wenn ich keine Unterkunft bekommen sollte. Ich frage nach einem Kombiticket für zwei Tage. Ich bin nun einmal im Museum, jede freie und offene Minute muss genutzt werden. 25 Minuten Öffnungszeit verbleiben mir heute noch. Sie lässt mich so hinein und ich tauche in meine Welt ab. Die Schiffsmodelle sind mir vertraut, obwohl ich die meisten alten Schiffe nie in Echtzeit gesehen habe. Allein die Beschäftigung mit der Geschichte der alten Schiffslinie bringt einen faszinierenden Einblick. 1600 Uhr schließt das Museum.

Ich begebe mich wieder auf die Suche nach einem Telefon. In der Nähe des Radhauses der Hadselkommune (Stokmarknes ist der größte Ort der Kommune) werde ich endlich fündig. Auf meinem Zettel steht nur noch der Campingplatz. Zwei Nummern konnte ich finden, auf beiden erhalte ich keine Verbindung. Selbst auf der Handynummer geht niemand heran. Plan B rückt langsam in den Vordergrund.

Ich gehe wieder ins Zentrum und Suche nach einer Unterstellmöglichkeit für meinen Rucksack. Mein Wunschobjekt ist Norcargo, doch die Tore sind schon verschlossen. Die nächste Möglichkeit ist ein Hotel oder ein Restaurant. Das Pub vor der alten M/S Finnmarken in Kainähe, offen bis 0130 Uhr in der Nacht, bietet sich auch an. Ich frage dort und kann ohne Probleme meine Sachen abstellen. Ich gehe wieder zum Telefon. Ich habe die Handynummer von Elisabeth. Vielleicht kann ich heute schon einen Termin ausmachen. Ich möchte die Leiterin des Museums vor der normalen Öffnungszeit sprechen, denn während der Zeit kommt das südgehende Schiff und damit die Hauptzahl der zahlenden Museumsbesucher. Sie meldet sich sofort. Ich stelle mich vor. Sie schlägt eine Treffen Morgen früh oder gegen Mittag vor, dazwischen hat Sie eine Führung im Museum.
Ist der Blick in den Container der D/S Finmarken schon halb offen? Gut gelaunt, trotz ungeklärter Nachtverhältnisse, gehe ich zurück ins Zentrum. Meine Suche nach der Geschichte der Hurtigrute im Ort beginnt. Stokmarknes ist Gründungsort der Hurtigrute. Das alte Kontor und das Wohnhaus von Richard With befindet sich hier. Ich befrage einige Passanten, die meinen Weg kreuzen und bekomme anfangs nur fragende Gesichter. Der zweite Anwohner kann mir zumindest ein mögliches Haus nennen. Ich frage in einem Stoffgeschäft und treffe genau die richte Person. Die Geschäftsinhaberin zeigt mir das Haus. Die Antwort deckt sich. Sie sagt mir auch, das Haus war früher das Kontor der Reederei VDS und das alte Hurtigrutemuseum.

Regen kündigt sich an. Ich gehe zur alten M/S Finnmarken und mache Detailfotos. Der weitere Aufenthalt fällt ins Wasser. Der Regen ist angekommen und ch gehe ins Pub. Plan B wird offizieller Tatbestand. Ich fahre in der Nacht mit der nordgehenden Hurtigrute nach Risøyhamn und nehme dort den ersten Bus zurück nach Sortland und weiter nach Stokmarknes. So ist die Nacht halb gerettet, leider ohne Schlafmöglichkeit. Im Pub bestelle ich das Tagesgericht für 65 Kronen und ein leichtes (in beiderlei Hinsicht, Preis- und Alkoholgehalt) Bier. Ich schreibe Tagebuch und bin total überrascht von dem riesigen Berg Essen, das kurz danach vor mir steht. Diese Fülle bin ich seit Urlaubsbeginn nicht gewöhnt. Draußen regnet es noch. Eine Stunde später habe ich den Eindruck, das der Regen nachgelassen hat. Der nächste Rundgang im Ort beginnt. Bereits beim Verlassen des Pub merke ich das Missverständnis. 15 Minuten später bin ich wieder im Pub. Ich sehe einen PC. Bietet sich hier die Möglichkeit zum Surfen. Ich muss dringend meine Mails abrufen. Ich frage nach dem Preis, der mich positiv erschlägt. Das Surfen kostet nichts. Ein weiteres Alibibier folgt. Die nächsten 2 Stunden bin ich online. Den Rest der Zeit bis zur Ankunft der M/S Narvik verbringe ich mit Fernsehen, eine englischsprachige Krimiserie läuft. Kurz nach Mitternacht gehe ich zum Kai. Die alte M/S Finnmarken erstrahlt im Licht der Scheinwerfer. Überpünktlich taucht die nordgehende Hurtigrute aus dem Dunkel der Nacht auf.

Freitag, der 01. April 2005 - Stokmarknes - Risøyhamn - Sortland - Stokmarknes - Svolvær

0100 – Ablegen nach Sortland
0215 – Anlegen in Sortland
0300 – Ablegen nach Risøyhamn

Ich mache noch einmal Bilder von der Inneneinrichtung der M/S Narvik. Ich kann nicht sagen, wann der nächste Besuch auf einem Schiff der mittleren Generation sein wird.

0415 – Anlegen in Risøyhamn

Das Schiff erreicht pünktlich den Hafen. Mein erster Weg führt mich zum Fahrplan. Der hängt an der Tür zum Norcargo Büro aus. Ich habe vom letzten Jahr die Zeit 0700 Uhr in Erinnerung. Nach dem Fahrplan fährt der erste Bus heute Morgen 0715 Uhr. Das sind 3 Stunden, die ich im Ort verbringen will. Geplant habe ich den Gang zum Scheitelpunkt der Brücke. Leider schränkt der Regen meine Bewegungsfreiheit erheblich ein. Ich suche nach einem trockenen Platz und werde gegenüber vom Norcargogelände fündig, am Eingang zu Andøy Energie. Meine Gedanken fahren mit der M/S Narvik. Die Lichter des Schiffes sehe ich noch lange im Fahrwasser der Risøyrenna. Die Dämmerung setzt langsam ein. Mit fortlaufender Zeit kriecht die Kälte in meine Glieder. Ich muss trotz dessen einige Zeit dahin geschlummert sein. 0630 Uhr verlasse ich meine Warteposition und schlendere im Umfeld des Hafens. Später kommt ein Mitarbeiter des Energie Unternehmens.

0715 – Bus nach Sortland

Der Bus aus Andenes kommt pünktlich. Ich bin unendlich froh, meine Position ändern zukönnen. 3 Stunden auf einer Stelle können ganz schön zermürbend sein. Die bevorstehend Fahrt ist ein ... 

0820 – Ankunft in Sortland
0840 – Bus nach Stokmarknes
0915 – Ankunft in Stokmarknes

Ich bin mir unschlüssig. Gehe ich gleich ins Museum oder erst zum Mittag. Ich entscheide mich für den sofortigen Besuch. Die Haupttür zum Hurtigrutehus ist offen, die zum innenliegenden Museum auch. Elisabeth kommt mir entgegen. Ich erzähle kurz meine bisher erfolglose Suche nach vielen alten Bildern und nach alten Fahrplänen zur Linie, auch den Zusammenhang zwischen Kapitän Engen, der NSA Reiseleiterin Sabine und mir. Besonderes Interesse gilt vor allem dem Container, mit dem alten Segment der D/S Finnmarken. Sie erklärt, ich soll gegen Mittag vorbei kommen soll. Erst dann hat Sie Zeit zum Besichtigen des Containers. Ich gehe vorerst ins Zentrum. Ein kleines Frühstück beim Bäcker ist die erste Nahrung des Tages. Weiter zum Rathaus, mit der Bibliothek und erneut zum Hafen. Beide Stationen dienen der Informationssuche. Ich brauche Daten zu den Häfen (Stokmarknes und Melbu) der Kommune. Melbu war und Stokmarknes ist Anlaufort der Hurtigrute.

Die Führung von Elisabeth dauert länger. Erst gegen 1200 Uhr ist die Gruppe am Container. Ich möchte nicht stören und warte. 1240 Uhr kommt Sie allein zum Museum zurück. Mein Besuch im Container beginnt. Ich bin nervös. Das Segment des alten Schiffes ist 93 Jahre alt. Gleich nach dem Eingang zum Container befindet sich der Treppenaufgang, der auf vielen Bildern zum Schiff abgebildet ist. Im unteren Teil der Sektion führt der Weg nach rechts in zwei Räume. Beide sind leer. Elisabeth erklärt Details, die ich trotz der flüssigen norwegischen Ausführungen sehr gut verstehe. Das Holz ist Original, die Verkleidungen dazwischen und die Anbauten (Tapeten, Heizung und Lampen) nicht. Der hintere Raum war der Musiksalon. Das Inventar ist über die Zeit verloren gegangen. Die Leiterin hofft, das Originalklavier von der Steuerbordseite ausfindig machen und erwerben zukönnen. Der vordere Raum war der Rauchersalon. Diese Inneneinrichtung befindet sich im Seefahrtmuseum zu Bergen. Bleibt abzuwarten, ob Bergen diesen Salon frei gibt. Im Museum spielt der Rauchersalon eh keine große Bedeutung. Die ganze Hurtigruteabteilung befindet sich in einem Nebenraum. Weiter im Container. Den oberen Teil des Segment erreichen wir über die erwähnte Treppe. Elisabeth bringt den Vergleich mit der Titanic, auch auf diesen Schiff gab es einen Treppenaufgang dieser Art. Der Vergleich passt, beide Schiffe wurden im gleichen Jahr fertig gestellt. Am Treppenende befindet sich eine Verzweigung nach beiden Seiten, in der Mitte ein Wandspiegel. Der Weg führt zu den Kabinen der ersten Klasse. Im Original sehr schön und bestimmt urgemütlich. Der heutige Zustand erfordert viel Restaurierungsaufwand. Dieses Segment bereichert das Museum erheblich. Alte Inneneinrichtungen von Hurtigruteschiffen wird es nicht mehr geben. Ich gehe von 2 bis 3 Jahren aus, bis alles im Museum steht und für die Öffentlichkeit frei sichtbar ist. 

Das größte Problem ist die Finanzierung der Arbeiten und das Geld insgesamt für das Museum. Die 5 Millionen Kronen, die in der Presse genannt worden, sind ausschließlich für die Restaurierung und für die Beseitigen der Wetterschäden auf der alten M/S Finnmarken gedacht. Laut Plan soll das Schiff mit einer Glasfront ummantelt werden. So soll das Schiff entgültig vor Wetterschäden bewahrt werden. Dafür ist leider auch kein Geld da. Ein Beitrag zu mehr eigenen Geld könnte die Verlängerung der Liegezeit in Stokmarknes sein. Im Idealfall bleiben zum Besuch 1 Stunde. Leider nur ein theoretisches Modell. Das Anlegen dauert schon einmal 5 Minuten. Der Fußweg und der Einlass weitere 5 Minuten, bleiben 50 Minuten übrig. Im alltäglichen Betrieb kommen die Schiffe aber nicht immer pünktlich an. Ein gutes Beispiel sind die Paletten mit Torf in Risøyhamn. Einige Kapitäne sind so tolerant und bleiben eine Stunde liegen, auch wenn das Schiff Verspätung hat. Die Regel ist das nicht. Es verbleibenden meist nur 30 Minuten Besuchszeit für das Museum und dem Schiff. Im Zusammenhang mit dem teuren Eintritt wenden sich viele Rundreisetouristen bereits vorher vom Besuch ab.

Wir gehen wieder in das Museum und ich komme in den nicht öffentlichen Bereich. Zum einem das Büro von Elisabeth und dem Lagerraum. Dort holt die Leiterin zwei Hefter und gibt sie mir. Innen eine Sammlung von Fahrplänen. Die ältesten aus dem Jahr 1906. Die jüngsten aus der Zeit des zweiten Weltkrieges. Fast ehrwürdig blättere ich in den alten Ausgaben. Danach habe ich lange gesucht. Ich würde gern Kopien davon machen. Elisabeth erkennt meine Gewissenslage, bevor ich die Frage überhaupt stelle und gibt grünes Licht für meine Wünsche. Am Ende sind es rund 40 DIN A4 Kopien. In der Zeit hat die südgehende Hurtigrute angelegt. Die ersten Passagiere sind bereits auf dem Weg zum Museum. Bevor diese den Eingang erreichen, bedanke mich für alles bei der Leiterin. Heute ist ihre Helferin nicht da und sie muss selbst den Eintritt Kassieren. Ich möchte nicht den Ablauf stören. Die Zeit bis zum Ablegen der südgehenden Hurtigrute, mit der auch ich fahre, verbringe ich weiter im Museum. 15 Minuten vor Abfahrt gehe ich zur M/S Vesterålen. Ich freue mich, das ich dieses Schiff innerhalb der Reise erleben kann. 2002 war ich das letzte Mal an Bord. Es war Sommer (die Zeit der Mitternachtssonne) und viele Touristen auf dem Schiff. Innenaufnahmen vom Schiff waren damals nicht möglich.

1515 – Ablegen nach Svolvær

Der erste Rundgang zeigt Unterschiede zur M/S Narvik. Die alte Platz des Kranes mittschiffs exsistiert noch. Der wurde wahrscheinlich nach dem Umbau 1988 zu einer weiteren Lademöglichkeit ausgebaut. Die Ladeklappe ist ein Spalt offen. Auf der M/S Narvik wurde diese Fläche gleich richtig umgebaut. Das Stück bis zur Einfahrt in den Raftsund verbringe ich mit dem Vervollständigen der Innenaufnahmen vom Schiff. Bei Einfahrt stehe ich vorn auf Außendeck E. Der bisher seichte Wind nimmt scharfe Formen an. Mit dem Fotoapparat in der Hand warte ich auf die Stelle, wo 1954 die D/S Nordstjernen im Raftsund auf Grund gelaufen und gesunken ist. Das Schiff fährt am Felsen vorbei und ich habe das Foto nicht gemacht. Der Wind drückt gewaltig. Freihändig würde ich alles andere Fotografieren, nur nicht das Motiv meiner Wahl. Ein fester Gegenstand könnte Abhilfe schaffen, aber die runde Bauweise des Geländers erlaubt kein Aufsetzen des Fotoapparates. Diese Möglichkeit nutze ich oft auf den anderen Schiffen. So sind selbst Aufnahmen mit langen Belichtungszeiten ohne Stativ bei Dunkelheit möglich. Vorausgesetzt das Schiff liegt ruhig im Hafen. Hier auf der M/S Vesterålen ist selbst dieses Hilfsinstrument kein Garant für wackelfreie Bilder. Ich lass des Fotografieren ganz und gehe in die Cafeteria. Das Schiff sucht seinen Weg durch den schmalen Sund, umrahmt von den höchsten Bergen der Inselgruppe Lofoten und Vesterålen (bei Berücksichtigung der Regionalgrenzen). Auf der Höhe der Einfahrt zum Trollfjord bin ich mir über das Vorgehen des Kapitäns nicht ganz sicher. Die M/S Vesterålen nimmt Kurs auf die Einfahrt des Trollfjordes. Fährt das Schiff hinein? Der Bordfunk hat darüber nichts mitgeteilt. Ich merke dann schnell die Kursänderung, mit Direktziel Svolvær. Sehr zeitig, kurz nach 1800 Uhr ertönt das Signal des Schiffes vor der Einfahrt zum Hafen von Svolvær.

1805 – Anlegen in Svolvær

Der Hafen ist voller Schiffe. Die Trockengestellen auf der nördlichen Hafenseite werden gerade vollgehangen. Ich frage bei Norcargo nach einer Abstellmöglichkeit für meinen Rucksack. Auch hier gibt es keine Probleme. Im Büro findet mein Gepäck einen sicheren Platz und ich bin lastmäßig für die nächsten Stunden befreit. Schon beim Anlegen fällt mir im Hafen ein Schiff auf, genauer gesagt der Schornstein des Schiffes. Schwarz, weiß, blau, weiß und Schwarz. Die alten Farben der Reederei VDS. Jetzt stehe ich vor dem Schiff und erkenne das Originalzeichen der VDS am Bug. Ein sehr seltener Anblick, ist doch die Reederei 1988 von der ODS übernommen worden. Das Gesamtbild des Schiffes bekommt durch die Besonderheiten einen Reiz, der mich einfängt. Ich muss Bilder machen. Ansichten eines Originalschiffes der VDS bekomme ich nie wieder. Ich werde von einem Mann beobachtet, der an Deck arbeitet und auf Akter das Schiff reinigt. Ich kann die Frage nicht lassen und erkundige mich nach der Geschichte zum Schiff. Er sagt das Schiff ist 50 Jahre alt, 1955 gebaut, damals als Ablösung für die D/S Brønnøysund. Heute ist das Schiff im Dienst des Kystverkets.  

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Der Hauptort der Lofoten wirkt wie verwandelt. Überall offene Geschäfte und das 1830 Uhr. Viele Menschen sind unterwegs. Die Vielfalt der Schiffs- und Bootstypen im Hafen muss ein Grund haben. Die WM im Dorschangeln (30.03. bis 03.04) findet seit 2 Tagen hier statt. Ich lasse mich vom Feeling des Abends anstecken. Neue Ideen werden geboren. Ich könnte die Nacht vom Sonntag zum Montag (in zwei Tagen) hier verbringen und am nächsten Tag in der Bibliothek gehen. Dazu fehlt mir eine passende Unterkunft. Zeit zum Suchen ist heute Abend ist genügend vorhanden. Ich gehe durch die Straßen und Suche nach Hinweißen zu Privatunterkünften. Ich finde nichts. Entweder alles belegt oder zu teuer. Nach 1 Stunde lasse ich den Gedanken fallen. Ein Teil des Planes ist aber machbar. Übernachten werde ich in Stamsund (wie geplant) und fahre gleich mit dem ersten Bus nach Svolvær.

Bereits im letzten Drittel der Unterkunftssuche fängt es wieder an zu regnen. Eine Wettererscheinung, die mich seit Tagen verfolgt. Ich verbringe die Zeit in einer Pizzeria am Markt, mit guten Blick auf den vorderen Teil des Hurtigrutekai. Zehn Minuten vor der geplanten Einfahrt des nordgehenden Schiffes gehe ich zum Hafen und werde von dem Norcargo Mitarbeiter abgefangen, den ich zum Abstellen meines Rucksackes gefragt hatte. Er meint, das Schiff kommt erst in einer Stunde. Ich gehe wieder zurück zur Pizzeria.

2200 – Ankunft der M/S Lofoten

Die Signale im Dunkel des Abends sind vertraut. Das alte traditionelle Schiff kündigt sich an. Ich bin nervös und voller Vorfreude. Ich hatte versprochen, das ich noch in diesem Urlaub erneut mit dem Schiff fahren werde. Auf dem Schiff ist aber auch Sabine. Sie hatte mir im Februar per Mail mitgeteilt, das sie als Reiseleiter dafür die gesamte Tour eingesetzt ist. Nach dem Einchecken bin ich auf dem Schiff unterwegs und suche nach Sabine. Ich habe Ihr Foto von ihrer Webseite im Kopf. Vorerst kann ich Sie nicht finden. Ich warte auf das Ablegen und auf das Ende der Schlange vor der Rezeption. Die Passagierliste müsste doch Auskunft geben.

Ich bekomme an Bord eine sehr schöne, gemütliche und ruhige Außenkabine (Deck 3, Nummer 305, direkt neben der Rezeption) für 210 Kronen.

2300 – Ablegen nach Stokmarknes

Nach dem Ablegen frage ich verschiedene Besatzungsmitglieder und an der Rezeption nach einem Reiseleiter der NSA. Keine kennt eine Sabine. Sollte Ihr Einsatz geändert worden sein? Kurz vor Tagesende verschwinde ich in meine Kabine.

Samstag, der 02. April 2005 - Svolvær - Stokmarknes - Sortland - Risøyhamn - Harstad - Finnsnes - Tromsø

0800 – Nachtruhe beendet

0810 – Ablegen nach Finnsnes

Das Wetter zeigt die gleiche Sturheit der vergangenen Passagen zwischen Harstad und Finnsnes. Es ist das drittemal, das ich während dieser Reise zwischen beiden Küstenorten verkehre. Immer hingen die Wolken fast bis zur Wasseroberfläche. Ich gehe in die Cafeteria des Schiffes und hole mir einen Frühstückskaffee. Das Frühstück selbst lasse ich heute ausfallen. Das Geld brauche ich in Tromsø. Auf der M/S Lofoten finde ich einen Bericht über die Geschichte dieser Linie in Deutsch. Die perfekte Lektüre für mich. Vielleicht finde ich weitere Einzelheiten, die mir aufgrund meiner geringen Norwegischkenntnisse nicht aufgefallen sind.

Einige Meilen vor Finnsnes werde ich unruhig. Die erste Fahrt nordwärts war zu Ostern und das Kontor von Norcargo am Kai war geschlossen. Dort bekam ich vor einem Jahr einen sehr schönen Hurtigrutekalender. Abgebildet war die D/S Finnmarken. Auftragsgeber für diesen Kalender ist der Ekspeditør für die Hurtigrute und andere Frachtlinien in Finnsnes, Bernhard Lund A/S. Heute ist Samstag, also auch nicht der perfekte Tag für eine normale Öffnungszeit. Ich hoffe ...

1045 – Anlegen in Finnsnes

Es regnet heftig bei Ankunft. Mein Blick schweift zum Kontor, während die M/S Lofoten langsam zum Kai gezogen wird. Die An- und Ablegen der traditionellen Schiffe ist geprägt von den Grundtechniken der Seemannslehre. Ich sehe Licht. Wenige Minuten später stehe ich im Geschäft. Der Mitarbeiter fragt nach dem Grund meines Besuches. Ich trage mein Anliegen vor und bekomme den Kalender. Hat sich die Extrafahrt bereits in doppelter Hinsicht gelohnt.

1115 – Ablegen nach Tromsø

Ich bin wieder in der Cafeteria, der Rest des Textes wird gelesen. Ich finde einige Fakten, die ich so noch nicht kannte. Ich finde aber auch zwei gravierende Fehler, in dem an sich sehr gut geschriebenen Bericht. Zur Halbzeit der Passage gehe mehr auf Außendeck und mache diverse Aufnahmen vom Schiff. Das Herz des Schiffes wird wieder lauter. Das ist immer so, wenn eine Reise mit der M/S Lofoten zuende geht. Das monotone Stampfen des Motors lässt mich dahin schwelgen, verfolgt mich bis in die ruhigste Ecke. Ein irrer Sound.

1430 – Anlegen in Tromsø

Ist die Fahrt mit dem traditionellen Schiff nun auch schon wieder vorbei. Meine Reisezeit erzielt allmählich unerlaubte Geschwindigkeitsrekorde. Die erste Aufgabe ist die Suche nach einer sicheren Abstellmöglichkeit für mein Reisegepäck. Ich frage wieder bei Norcargo. Wie immer kann ich bereitwillig meinen Rucksack abstellen. Hier gefällt mir der Ort nicht. An der Innenwand zur Halle, direkt neben dem Eingang. Ich belasse erst einmal meine Bedenken und gehe ins Zentrum. Je weiter ich gehe, desto mehr holen mich diese Bedenken ein. Ich suche nach einen besseren Platz, mir fallen da eigentlich nur die Hotels der Stadt ein. Ich frage im Hotel neben dem Denkmal von Richard With. Auch hier Hilfsbereitschaft pur, ich kann meine Sachen bringen. Erst jetzt kann ich unbeschwert meinem gefassten Plan für die nächsten Stunden in die Tat umsetzen. Der besagt, erst die Museen der Stadt, die haben bis 1700 Uhr offen. Anschließend die Einkaufzentren, die bis 1800 offen sind.

Ich gehe zum Erlebniszentrum Polaria. Hier wird die Entwicklung der arktischen Region der Erde sehr gut dargestellt. Die Inselgruppe Spitzbergen nimmt dabei einen großen Platz ein. Im Programm zwei Filme über Spitzbergen und der Antarktis. Beide im Dolbyformat, gezeigt in Panoramaansicht über 5 Leinwände.

1800 Uhr rückt näher, damit ein Versuch der besonderen Ansicht von Hurtigruteschiffen. Ich bin langsam auf dem Weg zum höchsten Punkt der Tromsøbrücke. Ein scharfer Wind weht aus Nordost, dazu vereinzelte Schneeschauer. 1815 Uhr bin ich oben. Etwas zu zeitig, vorerst teste ich die Möglichkeiten und komme zum Schluss, das jeder Klick sitzen muss. Es gibt keine Zeit für ein langes in Position setzen des Hauptmotivs. Bis zum richtigen Zeitpunkt gehe ich wieder abwärts in Richtung Eismeerkathedrale. Ich höre das Signal des Kapitäns der M/S Lofoten an seine Mannschaft, beeilt euch, wir haben einen Fahrplan einzuhalten. Ich gehe zurück und sehe das Schiff langsam ablegen. Die Wetterlage hat den Vorteil, das ich mich voll auf das Schiff konzentrieren kann. Die gesamte Bergwelt im Süden ist von einer dicken Wolkenwand verdeckt. Anschließend geht es schnell. Ich mache 6 Aufnahmen. Das Ergebnis sehe ich erst beim Entwickeln in Deutschland.

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Der Rest des Aufenthaltes ist dem leiblichen Wohl vorbehalten. Die Suche nach einem Ort, an dem das Essen bezahlbar ist, nimmt viel Zeit ein. Ich gehe alle Möglichkeiten ab. Nichts sagt mir zu. Die Angebote klingen verlockend und schmecken sicher auch wunderbar. Ich kann aber nicht 100 Kronen für ein einfaches Kantinenessen ausgeben. Die besseren Gerichte fangen erst bei 150 Kronen an. Bei diesen Preisen wird das Abendessen wohl ausfallen müssen. Ich gehe vorerst in ein Pub und trinke ein Alibikaffee, damit ich einmal etwas Ruhe in meinen Körper bekomme. 2100 Uhr (wie vereinbart) gehe ich zum Hotel zurück und hole meinen Rucksack. Ich bin bereits auf dem Weg nach draußen, da fallen mir die Gäste auf, die im hinteren Teil zu Abend essen. Ich frage an der Rezeption, ob das Buffet nur für Gäste des Hotels zugänglich ist. Die Angestellte an der Rezeption sagt, das ich für 80 Kronen daran teilnehmen kann. Das ist doch ein gutes Angebot und schon überfliegt mein Blick das Buffet. Besonders die warmen Speisen wecken mein Interesse. Die kalte Küche aus Wurst, Käse und anderen Sachen kann ich morgen früh an Bord der M/S Midnatsol zu Gemüte führen.

2200 Uhr ist die richtige Zeit für das „Skarven“. Dieses Pub in der Nähe des Hafens beeindruckt durch seine Atmosphäre. Viele Schifffahrtsutensilien hängen an den Wänden, darunter die Reedereiflaggen der FFR und TFDS, auch das Schiffsmodel der M/S Trollfjord steht im Fenster. Dem Pub ist auch ein Restaurant angeschlossen. Ich war im Dezember 2002 bereits hier und hatte auf die M/S Polarlys gewartet. Im Pub vervollständige ich meine Hurtigruteaufzeichnungen und werde von einigen Gästen beobachtet. Ich werde gefragt, ob ich Tagebuch schreibe. Ich verneine und sage, das ich meine Aufzeichnungen über die Hurtigrutegeschichte vervollständige. Er merkt, das ich Deutscher bin und ist überrascht darüber. Es ist nicht das erstemal. Ich wurde oft mit der Frage konfrontiert, wieso ein Deutscher an der Geschichte der Hurtigrute interessiert ist.

2355 – Ankunft der südgehenden Hurtigrute

Sonntag, der 03. April 2005 - Tromsø - Finnsnes - Harstad - Risøyhamn - Sortland - Stokmarknes - Svolvær - Stamsund (an Bord der M/S Midnatsol)

0700 – Nachtruhe beendet

0800 - Anlegen in Harstad

0810 – Frühstück

Das letzte Essen an Bord einer Hurtigrute.

0830 – Ablegen nach Risøyhamn

Ich sitze beim Frühstück und blicke verwundert zum Kai von Harstad. Wieso liegt die M/S Richard With noch im Hafen? Das Schiff sollte eigentlich schon auf See sein.

Das Wetter meint es gut heute Morgen. Es gibt einen Mix aus Sonne und Wolken. Soviel Blau auf einmal, habe ich lange nicht mehr gesehen. Der Versuch der Wettergötter für einen versöhnlichen Abschied von Norwegen? Bei Ankunft in Risøyhamn sind kaum noch Wolken vorhanden. Ein schönes Zusammenspiel aus Insel-, Wetter- und spätwinterlicher Stimmung.

1045 – Anlegen in Risøyhamn

Der allgegenwärtige Torf kennzeichnet das Bild vom Hafen. Wie lange wird die M/S Midnatsol hier liegen? Jede Minute, die wir länger am Kai von Risøyhamn verbringen, verkürzt meinen Aufenthalt auf der M/S Finnmarken in Stokmarknes. Zu meinem Glück wird heute kein Torf verladen und wir kommen pünktlich in Fahrt.

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1100 – Ablegen nach Sortland

Wieder einmal kommt die unterschiedliche Verhaltensweise der Schiffe zum Ausdruck. Die M/S Midnatsol wendet nicht vor, sondern hinter der Brücke, die zuvor im Rückwärtsgang passiert wurde. Das gleiche Verhalten kenne ich von der M/S Kong Harald, bei der Fahrt im Dezember 2001. Alle anderen Schiffe, zumindest mit denen ich gefahren bin, wenden vor der Brücke. Während der Fahrt nach Sortland ändern sich die Wetterverhältnisse. Der Sonneneinfluss verschwindet schemenhaft hinter eine dünnen Wolkenschicht. Die Bergewelt der Lofoten überzieht ein Schleier, der mit jeden Meter dichter wird. Willkommen im Einheitsgrau der letzten Wochen. Viele Fischerboote fahren an uns vorbei. Alle kommen aus Svolvær. Die Weltmeisterschaft in Dorschangeln ist vorbei.

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1230 – Anlegen in Sortland
1300 – Ablegen nach Stokmarknes
1415 – Anlegen in Stokmarknes

Leichte Schneeflocken fallen auf dem Weg zum Hurtigrutemuseum. Ich löse das Eintrittsticket zum Besuch der M/S Finnmarken und tauche in die traditionelle Welt ein. Der Zustand des Schiffes hat sich weiter verschlechtert. Auf dem Bootsdeck präsentiert sich der Verfall schlechthin. Die Holzabdeckungen der Geländer fehlen bzw. sind marode. Die Planken brauchen dringend eine neue Wetterschutzschicht und der Rost erobert sich immer größere Flächen. Wie soll das Schiff gerettet werden, wenn weiterhin nichts gemacht wird?

1515 - Ablegen nach Svolvær

Die Wolken senken sich fast bis auf die Wasseroberfläche. Dazu schneit es. Der nasse Schneefilm bleibt auf Außendeck 9 liegen und macht das Gehen gefährlich. Ich nutze die Zeit für einen Saunagang, den ersten auf den neuen Schiffen der TFDS überhaupt. An Bord der beiden Schiffe befindet sich die Sauna auf der Steuerbordseite von Deck 9. Ein großes Fenster ermöglicht den Blick nach außen. Ich bin nicht allein. 4 Skandinavier schwitzen mit mir zusammen. Das aktuelle Wetter ist Gesprächsinhalt. Die meisten Anwesenden wünschen sich bessere Wetterbedingungen. Ich füge aber hinzu, das auch diese "trübe Stimmung" sehr reizvoll und vor allem fotogen sein kann. In der Mitte des Raftsunds verlasse ich die Sauna und beobachte die weitere Fahrt durch die enge Wasserstraße. Reizvoll ist die Stimmung. Fast mystisch gleitet das Hurtigruteschiff durch eine Zauberwelt. Sind wir den Trollen ausgeliefert? Die Sicht wird immer schlechter. Wir umrunden die Insel Ulvøy südlich und fahren anschließend wieder nordwärts, in Richtung Trollfjord. Ich bin neugierig. Will der Kapitän in den Trollfjord fahren oder nur den Eingang zeigen? Hier treffen wir auf ein kleines Segelschiff. Die Schiffssignale hallen durch den Sund. Vor der Einfahrt verlangsamt sich die Fahrt der M/S Midnatsol. Das Schiff dreht sich langsam und nimmt anschließend Kurs auf Svolvær.

Bild 1 - Wetterstimmung im Raftsund, gegenüber der Einfahrt in den Trollfjord.
Bild 2 - Die Berge vor der Einfahrt in den Trollfjord.
Bild 3 - Die Einfahrt in den Trollfjord.

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1815 – Anlegen in Svolvær

Wie die Tage zuvor ändern sich mit der Einfahrt der Hurtigrute die Wetterbedingungen. Es regnet wieder. Ich bleibe auf dem Schiff und packe den Rucksack in meiner Kabine.

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1930 – Ablegen nach Stamsund

Meine Stimmung ist schlecht. Mit dem Ende der Fahrt in Stamsund verliert der Hurtigrutepass seine Gültigkeit. Das wiederum zeigt ganz klar das Ende meiner 4 Wochen in Norwegen.

2100 – Anlegen in Stamsund

Ich bleibe nicht bis zur Abfahrt der M/S Midnatsol und gehe gleich zur Jugendherberge.

2130 – Jugendherberge Stamsund

Ich erkenne ein bekanntes Gesicht. Eine Schweizerin, die ich vor einem Jahr das erstemal in der Jugendherberge gesehen habe. Sie half damals Roar Justad beim Kassieren der Übernachtungsgebühr. Eine weitere Frau sitzt am Fenster. Auf dem ersten Blick kommt sie mir nicht bekannt vor. Ganz im Gegensatz zu ihr. Sie erkennt mich. Sie sagt, sie hat mich auf der M/S Vesterålen gesehen, auf der Fahrt von Stokmarknes nach Svolvær. Gedanklich gehe ich diesen Tag durch und bleibe im vorderen Salon auf Deck E hängen. Dort saß eine junge Frau. Erst jetzt erkenne ich sie. Gesichter konnte ich mir schon immer schlecht merken. Wir stellen uns vor. Sie heißt Susan und kommt aus Australien, unterwegs auf einer mehrwöchigen Tour durch Skandinavien. Längere Gespräche verhindert leider mein schlechtes English, das durch die norwegische Sprache sehr gelitten hat. Viele Wörter sind fast identisch bzw. sprachlich verwandt. Ich verheddere mich oft im Grundwortschatz beider Sprachen.

Montag, der 04. April 2005 - Stamsund - Leknes - Svolvær

0700 – Nachtruhe beendet

Ich packe gleich meinen Rucksack und gehe runter in den Aufenthaltsraum. Wenig später folgt Susan. Der Ofen wird angeheizt. Anschließend folgt das Frühstück.

0900 – Bus nach Leknes

Wir nehmen beide zunächst den gleichen Bus nach Leknes. Dort werden sich unsere Wege trennen. Sie macht einen Tagesausflug nach Reine, ich fahre nach Svolvær. Die Fahrt ist beeindruckend. Der Schnee verzaubert die Berge. Fast malerisch liegt der Ort im Tal. Was im Sommer völlig kontrastlos untergeht, erhält heute die Note für etwas Besonderes.

0920 – Ankunft in Leknes

Wir haben mehr als eine Stunde Zeit im Hauptort der Kommune Vestvågøy. Unsere Busse gehen 1045 Uhr. Susan machte ein kleinen Rundgang im Zentrum, ich gehe zum Rathaus. Von der Rezeption im Erdschoss werde ich zur zweiten Etage verwiesen. Ich finde den Mitarbeiter nicht gleich. Eine Angestellte der Kommune führt mich ins richtige Zimmer. Ich trage mein Anliegen vor. Er versteht mich, überlegt und geht in ein anderes Zimmer. Ich soll folgen. Ein anderer Mitarbeiter übernimmt die Angelegenheit. Er sucht im Schrank, findet aber nichts. Er meint, ich soll meine Adresse hier lassen. Sollte er was finden, dann bekomme ich Post.

1045 – Bus nach Svolvær

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1200 - Ankunft in Svolvær

Bis zur Ankunft der nordgehenden Hurtigrute habe ich 9 Stunden freiverfügbare Zeit. Ich möchte meinen Rucksack sicher unterbringen. Gepäckboxen gibt es in Svolvær nicht. Ich versuche mein Glück erneut bei Norcargo. Der Weg vom Haupthaltplatz der Busse bis zum Hafen ist nicht weit. Zielstrebig gehe ich zum Aufenthalts- und Arbeitsraum von Norcargo und Frage einen Mitarbeiter, der mir einen Platz unter dem Arbeitsablage zeigt. Gleich nebenan befindet sich das Büro von Norcargo und der Hafenmeister. Bei beiden 

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1750 – Ankunft der M/S Polarlys

Ich bin auf dem Weg zum Hafen und möchte das Einlaufen der M/S Polarlys dokumentieren. Als Standort wähle ich den Parkplatz am Hotel. 1740 Uhr erreiche ich das Gebiet. Ein scharfer Wind vom Vestfjord weht mir entgegen. Die Zeit bis zur Ankunft möchte ich im Eingangsbereich des Hotels, bei einem Kaffe verbringen. Doch im Moment der Anfrage an die Rezeptionsmitarbeiterin höre ich das Signal der Hurtigrute. Der frühe Zeitpunkt der Einfahrt bringt die Entladearbeiten des Nordlines - Schiffes durcheinander, das derzeit am Kai liegt. Die M/S Polarlys ist gezwungen in der Fahrrinne zum Hafenbecken, vor der Halle zur Eiswelt, in Warteposition zu gehen. Die Entladearbeiten der Nordskott werden unterbrochen. Das Frachtschiff verlässt den Hauptkai. Einer Staffelübergabe gleichend, tauschen beide Schiffe den Platz. Mit der Festmachen und dem Öffnen der Passagierrampe gehe ich an Bord des TFDS - Schiffes. Ich möchte die Liegezeit von gut 90 Minuten an Bord eines meiner Lieblingsschiffe verbringen. Zuerst der Begrüßungskaffee in der Cafeteria auf Deck 4. Dort beobachte ich einen Passagier, der auch die Inneneinrichtung fotografiert, aber ohne Stativ. Ich biete meins an, doch er nutze die Möglichkeit der Auflage auf der Abgrenzung der Cafeteria. Wir kommen kurz ins Gespräch. Anschließend mache ich meine letzten Aufnahmen der Inneneinrichtung. Aufnahmen, die im künstlichen Licht der Salons, eine besondere Stimmung an Bord aufzeigen. Im mittleren Salon auf Deck 7 nehme ich mein Abendbrot ein, die günstigen Sachen vom Bäcker in Leknes. 

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1930 – Abfahrt der M/S Polarlys

Ich gehe wieder in die Pizzeria und warte auf das Einlaufen der nordgehenden Hurtigrute. Es regnet und regnet und kein Ende in Sicht. Sehr auffallend, alle 4 Abende im Ort waren mit Einfahrt der Hurtigrute verregnet.

2100 – Ankunft der M/S Kong Harald

Meine letzte Fahrt mit der Hurtigrute für dieses Jahr. Das erste Schiff der neuen Generation, die M/S Kong Harald bringt mich zu meinem Schicksalshafen. Seit Jahren übernimmt Harstad diese Position. Bedingt durch die Nähe zu Narvik und der guten Busverbindung dorthin. Vorerst konzentriere ich mich auf andere Sachen. An Bord der M/S Kong Harald befindet sich ein Gast, den ich über meine Hurtigruteleidenschaft im Web kennen gelernt habe. Eine Frau um die 50 Jahre. Gleich nach dem Einchecken (die letzte Nacht nehme ich keine Kabine) suche ich an Bord nach dem Kennzeichen ihrer Kleidung, die sie mir in der Mail mitgeteilt hat. Meine erste Suche bleibt vorerst erfolglos. Ich warte bis zur Abfahrt. Aber auch dann kann ich sie nicht finden. Ich gehe zur Rezeption und lass den Namen an Hand der Passagierliste suchen. Die diensthabende Mitarbeiterin findet den Namen nicht. Sollte auch dieser Treff auch ausfallen?

2200 – Ablegen nach Stokmarknes

Langsam entfernen sich die Lichter von Svolvær. Während der Fahrt nach Norden verschwindet Teil für Teil des großen Puzzles der faszinierenden Inselwelt der Lofoten. Meine Gedanken gehen immer öfter in die nahe Vergangenheit, der ersten Tage dieses Urlaubes, der Tage wo meine Welt noch in Ordnung war und ich beruhigend auf 4 Wochen in Norwegen vorblicken konnte. Ich stehe auf Außendeck 5 und lasse die im Dunkel der Nacht liegende Landschaft der Einfahrt zum Raftsund auf mich wirken. Mit der Ausfahrt wird es ruhig an Bord. Die meisten Rundreisepassagiere sind in ihren Kabinen.

Dienstag, der 05. April 2005 - Stokmarknes - Sortland - Risøyhamn - Harstad - Narvik - Zug nach Stockholm

Der Panoramasalon gehört den über Nacht bleibenden Distanzreisenden. Erste Müdigkeitserscheinungen treten auf. Soll ich die wertvolle Zeit mit Schlaf vergeuden? Hin und her gerissen Suche ich einen Platz und stelle den Reisewecker auf 0400 Uhr. Stokmarknes und die Fahrt nach Sortland verschlummere ich, doch dann kann ich mir keine weiteren Ruheminuten gönnen. Ein rastloses menschliches Etwas wandelt durch das Schiff. In der Cafeteria einen Kaffee. Anschließend wieder der Blick in die nächtliche Landschaft der Vesterålen. Eine halbe Stunde vor Risøyhamn erwacht langsam der neue Tag, die Dämmerung setzt ein.

Im Toppsund erreicht der Tag das Schiff. Ich stehe wieder auf Außendeck 5. Zwei Besatzungsmitglieder rücken die Stühle zurecht. Mein Zustand ist miserabel. Der Hauch von Harstad ist am Horizont erkennbar.

0645 – Anlegen in Harstad

Am Kai blockiert ein bekanntes Schiff den Liegeplatz. Die Nordskott, ein Schiff der Reederei Norlines, verlässt mit der Einfahrt der M/S Kong Harald den Kai und nimmt nördlichen Kurs. Einer Staffelübergabe gleicht der Ein- und Auslauf der beiden Schiffe. Ich bleibe noch bis 0730 Uhr an Bord. Erst dann habe ich mich auf die endgültige Situation des Abschiedes eingestellt. Der Gang von Bord fällt dennoch schwer. Ich stelle mein Gepäck auf dem Hafengelände ab und beobachte die Einfahrt des südgehenden Hurtigrute (M/S Narvik), später die Ausfahrt der M/S Kong Harald.

Das Auslaufen der M/S Narvik tue ich mir nicht mehr an. Ein leerer Hafen und keine Fortsetzung des schönen Seevagabundenlebens, nein das vertrage ich heute nicht mehr. Dann lieber den Ort so verlassen und das Bild der im Hafen liegenden Hurtigrute speichern, abrufbar als Bindeglied zur nächsten Fahrt irgendwann. Ich gehe in das Cafe, das sich in der Nähe des Fotogeschäftes To - Foto befindet und warte auf den Bus nach Evenes. Das Fenster am Tisch ermöglich den Blick nach Nordwesten. Einen kurzen Augenblick sehe ich noch einmal die M/S Narvik.

0930 – Bus nach Evenes

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1020 – Ankunft Evenes
1045 – Bus nach Narvik

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1200 – Ankunft in Narvik

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1545 – Zug nach Stockholm